Donnerstag, 29. April 2010

die ReiSA (Part III)

TAG VIII

Der Garden Route folgend, ging es vorbei an Knysna, mit einem Zwischenstopp im „Knysna Elephant Park“ kurz vor Plettenberg Bay. Dieser Park beherbergt an die 20 Elephanten und beitet diverse Programme an. Man kann eine begleitete Tour zu den Elephanten machen, mit der Moeglichkeit diese zu fuettern, zu streicheln und zu beobachten. Es gibt auch Sonnenuntergangstouren bei denen man auf den Elephanten durch den Park reitet und sogar das Angebot eine Nacht neben dem Elephantenstall zu schlafen (na ja, es riecht ja schon ziemlich penetrant, aber wer die Erfahrung mal gemacht haben moechte...). Wir machten erstere Tour mit und das Erlebnis neben einem Elephanten gestanden zu haben, seine raue und doch so zarte Haut beruehrt zu haben und die beruhigende Aura dieses faszinierenden Tieres eingeatmet zu haben, beeindruckte mich sehr. Unser Tourguide klemmte auch gleich an unserer Seite, erzaehlte uns alles moegliche zu seiner Karriere in der „Elephant Industry“, zu den Elephanten selber und was sonst noch so kam.

Am spaeten Nachmittag des „good friday“ (Karfreitag) erreichten wir das Bloukrans BP am Tsitsikamma National Park, gleich hinter der Storms Rivier Bridge, der hoechsten Bungeejumpingbruecke der Welt!
Dieses Backpackers stellte sich als Bungaloo- und Caravancamp heraus, schoen in der Natur gelegen... Schoen ja, aber wirklich in der Pampa und wir hatten nicht ans Self Catering gedacht. Da auch noch ein Feiertag, wurde das naechtliche Mahl eine heisse Angelegenheit, wobei das einzig offene Lokal im Hotelferienort Storms River, bestimmt 15 km weiter lag.

TAG IX

Ein unvergessliches Erlebnis ist auch der Tsitsikamma National Park, aufregend zwischen steilen Berghaengen und der wilden Steinkueste gelegen. Nach einem leckeren Fruehstueck mit einzigartigem Panorama auf dieses Naturspektakel gingen wir unsere 4-stuendige Otterer Trail Wandertour an. Durch Waldwege und ueber Felsenkliffen bahnten wir uns unseren Weg unserem Ziel, dem Wasserfall, entgegen. Es war aufregend und manchmal auch beaengstigend. Ein falscher Schritt koennte nicht nur eine dicke Beule bedeuten...

Der Wasserfall... aehaem... dazu jetzt nicht viel mehr, aber es war doch eher ein Rinnsal. Nichtsdesdotrotz war das Gefuehl dieses Gebiet eigenfuessig erklommen zu haben, grossartig! Und der Hoehepunkt unseres Ausflugs ereignete sich dann als wir schon wieder fast am Ausgangspunkt angekommen waren und nur eben auf dem Rasenzaun verweilten, um den Anblick der scheonen Landschaft noch etwas zu geniessen: Da entdeckten wir einen Schwarm von Delphinen gleich vor unserer Nase im Wasser herumtollen, mit den Wellen spielend sichtlich Spass daran habend. Es war das erste Mal, dass wir diese Tiere in der freien Wildbahn gesehen haben und es war ein so beglueckendes Erlebnis!

TAG X

Nach einer etwas laermenden Nacht, unsere Bungaloo Nachbarn hatten eine Party veranstaltet und die Mucke ganz gut aufgedreht, fuhren wir nach Port Elizabeth, den Endpunkt unserer suedlichen Suedafrikatour. Die Autorueckgabe war komplizierter, als gedacht, doch zum Glueck hatten wir viel Pufferzeit eingeplant gehabt und damit konnten wir alles gut schaffen. Ostersonntag, Feiertag, graues Wetter und die Stadt war wie ausgestorben. Einige Menschen, die zur Kirche eilten, ein Gottesdienst mit Lautsprechern durch die Fenster eines Hauses, ein paar Wachleute und KFC, der einzige noch offene Laden in der Hauptstrasse. In einem sehr heruntergekommenen Shop kauften wir noch etwas Wasser und Saefte fuer die Fahrt, wobei – aus Sicherheitsaspekten – der Kuehlschrank bei jedem Oeffnen einen grellen Sirenenton ausloeste... fuer Unentschiedene Kunden wirklich eine Qual!

Als wir dann endlich mit unseren 7 Sachen in der Shosholoza-Meyl sassen, war das Aufatmen gross. Unser Kellner war mal wieder ein verrueckter Kautz, der mehrere Male die Essensbestellung aendern musste, sich dann wieder vergewissern wollte und uns am Ende 2 Stunden mit knurrenden Baeuchen sehnsuechtig warten liess.

Die Fahrt ging dann eigentlich ganz gemaechlich von dannen, wir schliefen und nach einem, untypisch fuer suedafrikanische Verhaeltnisse, ungesuessten loeslichen Kaffee am naechsten Morgen, waren wir dann auch schon gegen 10 AM in Johannesburg angekommen. Dort hatten wir noch mal Glueck im Unglueck, da die Autovermietungen alle geschlossen hatten, ein Mitarbeiter von AVIS uns dann aber doch weiterhelfen konnte.

Diesmal im beigen Wagen ging unsere Reise direkt nach Rustenburg weiter. Unsere Unterkunft in Kroondal gefiel usn richtig gut und haette es nicht geregnet, waere der Garten und die suesse Anlage bestimmt schoen zum Entspannen gewesen. Aber auch so erfreuten wir uns an unseren Raeumen mit eigenen Baedern, Fernsehen, Tee,...

In der Waterfall Mall in Rustenburg assen wir unser erstes Mal an diesem Tag, kauften noch etwas Kuchen und Milch ein und fuhren dann am Nachmittag mit den Mitbringseln und Suessies nach Luka. Es war so witzig die beiden Familien aufeinandertreffen zu sehen, auch wenn leider die Healfte meiner suedafrikanischen Familienmitglieder nicht anwesend waren – Ferien bei den Eltern, Arbeit. Wenn wir wahrscheinlich bei gutem Wetter auf der Terasse gesessen haetten, tummelten wir uns nun waehrend des Unwetters in der kleinen Kueche, tranken Tee und assen Schokoladenkuchen im Scheine des Kerzenlichts, die Elektrizitaet war mal wieder ausgefallen.

TAG XI

Bevor wir zurueck nach Johannesburg fuhren, besuchten wir gemeinsam noch den Stolz loveLifes, das Bafokeng Y- Centre in Luka. Der Empfang war freudig aufgeregt und die Stimmung war toll. Milena, Dorothea und Martin bekamen dann auch noch je ein lL T-Shirt und eine lL Squeeze Bottle als Erinnerungsgeschenk von Yvonne.

Ein kleiner Rundgang im Rustenburg Zentrum lag mir auch noch am Herzen, da die Mall doch eher die „upper class“ beherbergt, die den Ostermontag damit verbringt, durch die Laeden zu schlendern, ein Steak zu essen und vielleicht ins Kino zu gehen. Das Zentrum hingegen ist von Africanern besiedelt, die Geschaefte sind die gleichen Ketten, wie in der Mall, aber sichtbar heruntergekommener und der Baustil Rustenburgs laesst ja sowieso zu wuenschen uebrig, es ist schon eine ziemlich haessliche Stadt. Begeisterung oder Mitleid (beides irgendwie) riefen die Taxis auf, mit denen sich hier die africanische Bevoelkerung + ich von Ort zu Ort bewegt. Besonders im Sommer sind sie eng, heiss und stickig und groesster Schrecken sind die „africanischen Frauen“, wobei ich mich nur auf die Figur beziehe: Je groesser der Hintern, desto weniger Platz bleibt dem Sitznachbarn  Aber das ist alles reinste Gewoehnungssache.

Johannesburg und Auto... uhlala. Gar keine so softe Angelegenheit, doch wir schafften es dann doch ganz gut unsere letzte Herberge zu finden.

Und mal wieder wurden wir auf die Probe gestellt. In etlichen Internetportalen und beiden unserer Stadtfuehrer gelobt, war das Gemini BP ein Graus: Umbau, Geruempel, Stinkestinke,... Waehrend wir in Cape Town noch eine Nacht brauchten, um dem fuer uns unpassenden BP den Ruecken zu kehren, waren wir nun schon geschulter und handelten sofort. Nach einigen Telephonaten konnte ich uns im „Don Suite Hotel“ (die erste nur von Africanern gefuehrte Hotelkette) eine Unterkunft sichern. Wir wussten nicht, was uns erwarten wuerde, doch besser als das vorherige konnte es ja nur sein. Wir wurden positiv ueberrascht. Als wir die Tuer zu unserem Reich oeffneten, erwartete uns eine gemuetliche Suite mit Kuechenzeile, Arbeitsecke, Wohnzimmer mit Tisch, Sofas und Fernsehen und Schlafzimmer. Wir waren voellig aus dem Haeuschen und unsere Stimmung stieg betraechtlich. Hungrig aber erleichtert gingen wir dann in die um die Ecke gelegene Rosebank Mall, ein angenehmes Oertchen im sonst so hektisch treibenden Johannesburg.

TAG XII

Um Johannesburg etwas besser kennenzulernen, fuhren wir mit dem Auto nach Newtown ins Zentrum der Stadt. Wir parkten auf dem Parkplatz des Afrika Museums, das noch verwirrender und langweiliger als das in Cape Town war. Es gab keinerlei Struktur, Ausstellungsstuecke standen nur verloren in der Gegend rum ohne jegliche Bezuege oder Erklaerungen und der Teil zur Wahrheits- und Versoehnungskomission war auch im Umbau. Enttaeuschend.

Weiter ging es von dort zu Fuss durch die Innenstadt: MaChinas, Somalis, Inder und Pakistani mit ihren Shops, tausendmal die gleichen Decken zum Verkauf. Ein Ladenbezitzer wies uns darauf hin, immer in der Gruppe zu bleiben, unsere Taschen vorne zu tragen und nicht wie Touristen zu wirken... na ja, etwas kompliziert als einzige Weissnasen in der Gegend. Wir kamen zum Carlton Centre, wo man zum Africa Panorama mit dem Fahrstuhl in den 50. Stock hochfahren kann und eine gute Aussicht ueber Joburg und Umgebung hat. Am Ticketschalter war der Hinweis, man solle nicht eher gehen, bevor man ein Ticket ausgedruckt bekommen haette, doch die unfaehige Dame am Schalter erklaerte uns nach einem stressigen Geldwechselgerangel, dass die Druckmaschine kaputt sei. Dann halt doch ohne Ticket hoch. Interessierte aber auch niemanden weiter.

Der tag verlief auch weiterhin nicht so berauschend. Wir hatten die Idee eine spezielle Galerie in der Uni von Witwatersrand zu besuchen. Zunaechst afnden wir den richtigen Eingang nicht, dann musste Martin seinen Pass vorzeigen und seine Unterschrift geben. Durch eine staehlerne Drehtuer gelangten wir in das komplexe Unigebilde und ab in den Fahrstuhl, wir sollten ins Basement I fahren. Ja, aber wo ist das blos? Als der Aufzug sich immer wieder mit neuen Gaesten belud und wir nie an einem Basement I vorbeikamen, fragte ich eine unserer Mitfahrerinnen. „Oha, okay, now listen. You have to go to the ground floor, then the steps up, to your right, turn 145% to north-west...” Na ja, uebertrieben, aber ich verstand mehr oder weniger Bahnhof. Nach einer komplizierten Prozedur fanden wir dann eeeendlich die Galerie . Schade eigentlich, haette uns ja vielleicht auch schon jemand am Eingang sagen koennen. Doch damit war unser Uniausflug noch nicht beendet, denn der Weg ins Jenseits, also Ausseits, also nach draussen halt, war mindestens so verrueckt wie in die andere Richtung: Eine Tuer geoeffnet, geschlossen und wir stecken im Irgendwo fest, eine Dame um das Oeffnen der Tuere gebeten, diese laesst uns am anderen Ende raus, dort wollen wir durch das Gatter nach draussen, doch der Wachmann macht erstmal eine kleine Frage-Antwort-Runde mit uns durch: Wo wir herkaemen – Aus der Uni die Galerie besuchen –, Wo wir hinwollten – nach draussen –, Wie wir hier hergekommen seien – Mit dem Auto –, Wo wir das Auto gelassen haetten – Na da doch –, Tjotjotjo, ok you can pass and good luck for your car *haha*!
P.S. Das Auto war noch da! Puh!

TAG XIII

Wir nahmen uns den ganzen Tag, um das Apartheidsmuseum zu besuchen. Und das war eine gute Entscheidung, denn das Museum hat einiges zu bieten, viel zum Lesen, viel zum Scahuen, viel zum Hoeren und besonders viel zum Denken. Wir waren uns einheitlich einig darueber, dass sich Johannesburg doch gelohnt haette, das Museum hat uns wirklich beeindruckt und beruehrt.

Besonders mir wurde bewusst, wie krass es ist, dass ich hier in Suedafrika als Weisse in einer von nur Schwarzen bewohnten Gegend leben kann, mit Freude empfangen wurde, wie eine Schwester aufgenommen und behandelt werde. Nach Allem was passierte. Natuerlich, ich persoenlich hatte mit der Apartheidsgeschichte ja gar nichts zu tun und trotzdem sitzen solche Wunden ja tief. Man denke an den zweiten Weltkrieg und seine Folgen, die Mauer und Spaltung Europas. Solche Einschnitte sind nicht einfach zuzukleben und trotzdem muss es auch weitergehen.

Bei allen Vorbehalten gegenueber des Weltwaerts Programmes, den Problematiken und Fragen, die es hervorruft, empfinde ich es (nur aus meiner Sicht und auf mich bezogen) als eine riesen Bereicherung. Zwei sonst so ferne Kulturkreise lernen sich auf langem Zeitraum kennen, wir lernen uns besser zu verstehen, andere Verhaltensweisen zu akzeptieren oder besser nachvollziehen zu koennen und besonders wird deutlich, dass usnere hautfarbe reine Pigmentangelegenheit ist und wir am Ende alle Menschen mit Sehnsuechten, Freuden, Vorlieben und Wuenschen sind. Ubuntu. Motho ke motho ka batho. (Ein Mensch ist ein Mensch durch andere Menschen). Wie wahr und doch oft so missbraucht.

TAG XIV

Der Abflugtag. Von dem Achterbahngekreische aus Joburgs Vergnuegungspark am Vortag angelockt, gingen wir am Freitag nach „Gold Reef City“ (neben dem Apartheidsmuseum gelegen). Das erste Mal ueberhaupt, dass wir als Familie so ein Karussellkabinett zusammen besuchten, das erste Mal, dass Milena in den Genuss einer Doppellooping- Schrauben- Kopfueber-Achterbahn kam. Nach anfaenglichem Zoegern mussten wir uns diesen Spass dann auch gleich zwei Mal antun, doch nach dem vierten oder fuenften Lunapark-Geraet riet uns unsere Schnecke (die ist im Innenohr fuer das Kreislaufsystem zustaendig) zur Ruhe, besonders da mein Schwesterchen ja noch einen 12-stuendigen Flug vor sich hatte. Euphorisiert traten wir dann gegen 15 Uhr die fahrt zum Flughafen Johannesburg an, der seltsamerweise nirgendwo ausgeschildert war... and the World Cup is only around the corner.

Donnerstag, 22. April 2010

die ReiSA (Part II)

TAG VI

Unsere Reise ging im Renault Logan (ein ziemlich oedes Auto mit relativ wenig Platz und kaum Zugkraft) nach Stellebosch in das bekannte suedafrikanische Weingebiet weiter. Aus einer sehr langen Liste von Wine Estates suchten wir uns zwei heraus, wo wir im Laufe des Nachmittages Weinverkostungen machen wollten.

Die erste Weinfarm, die wir aufsuchten, „Peter Falke“ (ja genau, der Strumpfhosenmann), war sehr einladend und gemuetlich gestaltet, man konnte draussen auf Sofas unter einem Sonnenschutz sitzen oder sich auf einen der bequemen Sandsaecke flaetzen. Die Weine waren zwar nicht so der Renner, aber das Anwesen sehr zu geniessen.

Weiter fuhren wir zum Nethlingshof, wo uns eine suesse, etwas unsichere junge Frau bediente. Man konnte ihr anmerken, dass ihr die Weinbeschreibungen: „ja, it’s a very spicy wine with a plummy taste. U can drink it with red meat , ja, aeh, and it’s very spicy...“ sehr spanisch vorkamen. Die Anlage des Weinguts war zwar nicht so entspannt wie erstere, dafuer gab es hier aber einige sehr gute Weine zu kosten und das Ausspucken fiel mir deutlich schwerer.

Frohen Mutes fuhren wir zurueck ins Staedtchen und suchten uns beim Spaziergang schon ein nettes Restaurant fuer den Abend aus. Es sollte sich als absoluten Gluecksgriff erweisen, denn das „BIG EASY“ in Stellenbosch auf der Dorpstreet war Genuss pur: Hausgemachtes Brot und Butter, feinste Saucen, zartes Lamm, wuerziges Curry, ... Wir waren einfach nur hingerissen und erfreuten uns an den Gaumenfreuden.

TAG VII

Am siebsten Tage ging unsere Reise weiter Richtung Osten nach Mossel Bay, ein Ort am Indischen Ozean. Waehrend der Strand sehr suess anmutete, beruehrte uns die Stadt seltsam. Die Apartheid war irgendwie noch ganz stark zu spueren, nach Ladenschluss waren keine Africaner mehr zu sehen, sie waren wohl alle ins Township gefahren und zurueck blieb nur eine recht ausgestorbene Innenstadt. Auch das „Fisherman’s King“, wo wir noch ein letztes Mal frischen Fisch zu geniessen hofften, war eine grosse Enttaeuschung. Zudem fuehlten wir uns in der Gaststeatte und unter den Lokalgaesten ueberhaupt nicht wohl, die Athmospheare empfand ich als unangenehm „pifke“ (so wuerd ich das nennen).

die ReiSA (Part I)

Und auch hier ist natuerlich wieder viel passiert mit zwei Wochen Osterferien vom Feinsten!

TAG I

Die Reise begann fuer mich am Freitag, den 26. Maerz, als ich mit am Abend zuvor gepackten Trolli gegen 15 Uhr das Y- Centre in Luka mit dem Taxi nach Rustenburg verlies. Dort stieg ich in mein Anschlusstaxi nach Pretoria, wo ich lieberweise in der JungenWG von Mark und Mbatjiua fuer eine Nacht unterkommen konnte. Abgeholt, Abendessen eingekauft und Heim gefahren, hatten wir einen sehr gechillten „Dachabend“ zu viert.

TAG II

Am naechsten Morgen hatte ich dann auch noch das Glueck von den Herren mit dem Auto zum Flughafen gebracht zu werden, was die ganze Geschichte doch schon um einiges erleichterte, da die Taxifahrt von Pretoria zum Intrenational Airport O.R. Tambo bei Johannesburg doch eine ziemlich komplizierte Angelegenheit darstellt, mit diversen Umsteigeaktionen an fuer mich unbekannten Orten. Perfekt um 11 Uhr (also eine Stunde vor Abflug) erreichte ich die Check-In-Halle und waehrend ich noch auf der grossen Leinwand ungeduldig nach dem richtigen Schalter suchte, kam auch schon Martin auf mich zugerannt. Strahlend, mit Traenen in den Augen und auch ausgelaugt von der langen Reise fielen wir uns alle in die Arme- auf diesen Moment hatte ich so lange gewartet und dann war er einfach so da... sehr surreal.

So ging es dann gemeinsam durch die Sicherheitskontrolle und ins Flugzeug nach Cape Town, wo wir auch gleich ein Auto fuer die kommende Woche mieteten.
Die Ankunft in unserem Backpackers war leider etwas ernuechternd, da es sich bei unserem vorher gebuchten „Viererzimmer“ um ein Durchgangszimmer (zu zwei weiteren Schlafstaetten) mit 5 Betten handelte. Irgendwie alles nicht so prall, weshalb wir drei Frauen am Abend noch mal loszogen, um eine andere Unterkunft ausfindig zu machen. Dank Milenas Persistenz riefen wir letzten Endes dann doch noch im Ashanti Backpackers an, das uns ein Viererzimmer im ruhig gelegenen Guesthouse anbieten konnte. So konnten wir am naechsten Tag gluecklicherweise in unsere schoene, neue Unterkunft umziehen.

TAG III

Unseren ersten richtigen Tag in Cape Town nutzten wir fuer eine der bekannten Hop-on-Hop-off- Stadttouren, die einen auf Deck eines roten Doppeldeckerbusses zu allen wichtigen Punkten bringt. Wo immer es beliebt, kann man off-hoppen und spaeter wieder in einen der naechsten Busse einsteigen. So machten wir erst eine Allround-Tour, stiegen dann bei der Waterfront aus, nahmen einen kleinen Snack zu uns und liefen sogar noch einer anderen WW-Freiwilligen mit ihren Eltern ueber den Weg. Da sich der Himmel und vor allem der Tafelberg ploetzlich frei von Wolken befanden, schlug ich vor, diese Gelegenheit beim Schopf zu packen und die Seilfahrt auf den Tafelberg anzutreten.

Von oben hatten wir eine wunderbare Sicht ueber Cape Town, das von der Ferne zwar keine Idylle darstellt (alle Baustile sind wild gemixt und es bietet sich kein zusammenpassendes Stadtbild) und trotzdem mit dem Hafen, Robben Island, dem Atlantischen Ozean auf der einen und den Bergketten auf der anderen Seite eine ganz einzigartige Atmosphaere erzeugt. Die Touristenmassen sind natuerlich auszublenden.
Abends gingen wir in der Kloof Street Seafood essen.

TAG IV

Um das typische Touristenprogramm abzurunden, waren natuerlich Cape Point und das Cape Of Good Hope am naechsten Tag auf unserem Plan. Schon auf der Fahrt zur Destination kamen wir an wunderschoenen Klippen, faszinierend blauen Buchten und etlichen „beware of the baboons“ Schildern vorbei.

Um zum Kap zu gelangen, muss man zunaechst den Eintritt in das Naturschutzgebiet erwerben, wo man dann irgendwann auf einem ueberfuellten Parkplatz angelangt. Dort koennen sich die Gaeste entscheiden, ob sie die letzte kleine Etappe auch noch mit dem Taxi bereisen, oder doch ihren Fuesse gebrauchen wollen. Den Treppen nach oben folgend kommt man auf eine Aussichtsplattform mit Leuchtturm, wo auch das Schild mit den Weltstaedten und zugehoerigen Entfernungen steht... Berlin 9574 km!

Ganz abenteuerlustige Besucher haben dann noch die Moeglichkeit, einen 15 Minutenmarsch anzutreten, um an die Spitze des Kappunktes zu kommen. Natuerlich waren wir um jede Bewegungsfreiheit dankbar und spazierten auf dem ploetzlich fast ausgestorbenen Pfad gen Cape Point. Eine uns entgegenkommende dreikoepfige Familie erzaehlte uns dann noch ganz stolz, sie haetten an den Klippen laut schnaufende Wale bemerkt, was uns erst verdutzte, da wir uns, usneres Wssens nach, fernab der Walzeit aufhielten, aber gut. Je naeher wir der Spitze kamen, desto klarer wurde uns, dass die armen Leute wohl das Rauschen und Klatschen des brandenenden Ozeanwassers mit den Tierlauten verwechselt haben mussten, denn von schnaufenden Walen war weit und breit keine Spur.

Trotzdem war die Aussicht herrlich, das Wetter war ausgezeichnet und mit dem Wissen, dass wir am (fast) suedlichsten Punkte Afrikas standen, hatte schon etwas sehr beeindruckendes. Um einige verwirrungen aufzuheben: Am Cape Point treffen nicht, wie oft behauptet, zwei der Weltmeere, sondern der Bengual- sowie der Agulhas- Strom aufeinander. Sie erzeugen eine interessante Mischung aus tropischem und arktischem Gewaesser, was sogar im Meeresbild wiederzusehen ist- vom Cape Pont aus kann man ein kosinusfoermiges, weisses Zeichen im Wasser erkennen, also genau die Linie, wo die beiden Stroeme sich vereinen. Atlantischer und Indischer Ozean kommen dann erst am Agulhas Point zusammen, der wirklich suedlichste Punkt Afrikas. So viel zum geografischen und ozeanologischen Hintergrund.

Natuerlich liessen wir uns im Anschluss das Cape Of Good Hope auch nicht entgehen, wo wir noch ein Erinnerungsfoto knipsen liessen. Bei aller Schoenheit muss ich sagen, dass ich trotzdem enttaeuscht war. Mir ist bewusst, dass ich auch ein Tourist und damit Teil des Impakts bin, doch diese eigentlich so naturbelassenen, faszinierenden Orte werden durch eine an Abfertigungshallen erinnernde Atmosphaere einfach ihres Zaubers beraubt. Es verlangt viel Konzentration und Ausblendungsvermoegen, um die Massen um sich herum zu vergessen und einfach nur zu geniessen.

Das Gleiche in fast noch extremeren Ausmassen trug sich dann in der Pinguinbucht zu, ein Ort der mich eigentlich aufgrund dieser witzigen Begebenheit –Pinguine, die in Suedafrika zuhause sind – interessiert haette. Doch schon am Parkplatz wurde uns schnell klar, dass dieses amuesante Naturphaenomen mal wieder zu touristischen Zwecken ausgenutzt wird: Zuerst muss man die Strasse zum Strand hinunterlaufen, wo einige Shops ihre Softdrinks und Eis verkaufen wollen, bis man an ein Gatter gelangt, das man nur im Tausch von bedruckten Scheinen oder gepraegten Muenzen passieren kann. Das war uns dann wirklich zu bloede und wir drehten um. Auf unserem Rueckweg trafen wir dann allerdings noch einen verirrten Pinguin, der sich verschreckt von den Menschenmassen in einem Strassenbusch zu verstecken suchte.

Erst jetzt im Nachhinein kann ich in meiner Erinnerung die Gewaltigkeit des Erlebten und Gesehenen wirklich verstehen und verarbeiten. Manchmal brauchen solche Eindruecke bei mir etwas Zeit, um wirklich anzukommen. Was mir aber immer wieder bewusst wird, wie wichtig es ist, die Natur zu respektieren, denn ihre Kraft und Schoenheit stehen weit ueber dem menschlichen Vermoegen.

TAG V

Den letzten Tag in CT verbrachten wir mit einem Besuch im etwas langweiligen Africa Museum (Relikte aus der Zeit der San), der vergeblichen Suche nach Levi’s Jeans (diese werden anscheinend dort produziert und sind somit guenstiger zu haben – allerdings muss man dafuer ins Outlet fahren, in der Innenstadt wird man sonst nicht fuendig – und einem entspannten Nachmittag im wunderschoenen, nach englischer Art angelegten Park in Gardens. Witzigerweise kamen wir noch an einer deutsch- franzoesischen Imbissbude vorbei, deren Besitzerin eine ehemalige fast- Nachbarin von uns ist – sie hat vor einigen Jahren nur zwei Strassen von uns weit entfernt gewohnt – kleine Welt!

Der letzte Abend ist aufgrund unserer Kellnerbegegnung Ian (ein sehr schottisch daherkommender Typ) nicht zu vergessen, wir hatten viel Spass und abschlusshalber noch mal lecker Seafood und Sushi!

Mittwoch, 10. März 2010

GLOBAL ID: Germany

Der von mir fuer das loveLife Magazin >UNCUT< verfasste Artikel, erschienen in der Maerz-Ausgabe 2010.


Anne-Sophie Waag takes us on a trip to her hometown of Berlin in Germany and gives us a tour of her current home in Luka, Rustenburg in the North-West Province.

The situation of a young woman from Europe staying in a rural area like Luka, Rustenburg is new for both sides, for me and the people who surround me. But since my arrival on the 1st of August in 2009 I could sense that my host family, my colleagues, fellow students as well as myself were going to learn a lot from each other.

Obviously this wouldn’t be possible if the Tswana people weren’t such a friendly, open- minded, interested and welcoming people. In the meantime I learned what signs to use to hail a taxi, wash clothes by hand and acquire a working knowledge of the Setswana language.

After passing my Matric in Germany in 2009, I got the opportunity to spend a year in South Africa and volunteer for loveLife. That’s how I got to the village of Luka in Rustenberg, which recently launched its new loveLife/Royal Bafokeng Y-Centre with a huge playground which included basketball, netball and beach volleyball courts, a games room for snooker and table soccer, a computer room, a radio studio where I worked, a weight training room and a clinic.

The youth centre (or Y-Centre) is where young people can spend their free time, learn about loveLife’s HIV prevention programmes and become part of a motivated, future orientated and conscious loveLife generation.

On Germany

Now, a little about my background: I am from Germany, specifically the capital city of Berlin.

Germany is a country of people living together from all over the world.
Festivals like the Berlin “Carnival of the Cultures” show the great diversity of cultures living side by side in Germany. Going out to a meal at a restaurant might include shish kebab from Turkey or Greece, sushi from Japan, pizza from Italy or vindaloo from India.

It’s a country full of art, music and well preserved green spaces.
Almost every city hosts opera and concert halls or theatres, museums and art galleries. Parks and other green places are treasured. It is a German tradition to do the “Sunday walk” in the park.

It’s a country with a difficult and glorious history.

The Second World War is obviously the first thing people think about when German history is mentioned. People also remember the Cold War and the building of the Berlin Wall in 1961, which separated the country for almost 28 years into East and West. But on the 9th of November in 1989 the Wall was torn down, reuniting the country.

But like in South Africa, a long term separation of people can’t be fixed only by politics, law or constitution – it needs time and effort. The 2006 FIFA World Cup in Germany was a healing experience for the country and allowed Germany to take its place among the family of nations. So I hope South Africa hosting the 2010 FIFA World Cup would achieve the same thing for this country.

Dienstag, 9. März 2010

Feierwillige aufgepasst!

Soso, was gibt ’s den so Neues vom suedafrikanischen Planeten...

Zunaechst war da die an diesem Wochenende unvergessliche Geburtstagsparty meiner beiden „Manager“ Oupa (30) und Godfrey (27). Es waren Gaeste aus der ganzen North- West Provinz geladen, vorrangig lL groundBREAKER und andere dem lL Clan Angehoerige.
Das Gelage sollte am Samstag starten, doch schon am Freitag kamen einige der Feierwilligen hier in Luka an und nahmen auch gerne eine Nacht auf dem Boden, auf Stuehlen oder im Auto in Kauf, denn die Bettenanzahl reichte bei weitem nicht aus, um alle kuschelig zu beherbergen.

Somit startete also schon am Freitag Abend inoffiziell die Party mit einer verrueckten Bukkie- Fahrt zum beliebten Pub „Lucky’s“ in Phokeng. Um sich diese „Verruecktheit“ besser vorstellen zu koennen: Es war vielleicht nach 20 Uhr und ich war gerade dabei das Geschirr vom Abendessen zu spuelen, als ich das Brummen von Motoren und vertraute Gesaenge vernahm. Neugierig ging ich aus dem Haus, um nach der Ursache dieser Geraeuschkulisse zu schauen. Und was ich sah war wirklich witzig: Ein Bukkie voll mit tanzenden, singenden und trinkenden Menschen, um genau zu sein mit angereisten groundBREAKERN und Trainern, die lL Songs (alle von den Camps bekannt) sangen und Bier tranken. Nachdem sie mich erblickt hatten, fing sofort das Gejubel und Gerufe an und als ich dann am Bukkie stand, zogen mich die Insassen mit „Mapula, Sophie, come!“ einfach auf’s Deck . So wie ich war wurde ich also gekidnapped und verbrachte eine ueberaus spassige Nacht mit den Jungens.

Samstag kuemmerte ich mich dann wie ueblich um meine Waesche, ein saueberes Zimmer, etc. bis dann gegen 16 Uhr einige Freunde aufkreuzten, mit denen ich gemeinsam zur Party gehen wollten. Wir sassen noch etwas quatschend herum und brachen dann 2 Stunden spaeter zu Oupas nicht weit entfernten Haus auf. Dort wurde schon fleissig gegrillt und Musik aufgelegt. Zu Oupas und Godfreys Glueck waren insgesamt 6 DJs anwesend, alle Freunde und damit 4free! Es war einfach nur genial! Wir hatten einen hammermaessigen Sound mit Housemusik vom Feinsten, super DJs und lekker Essen. Bis 12 Uhr waren Haus und Garten berstend voll und um Mitternacht wurde dann mit Kerzen fuer unsere Geburtstagskinder gesungen!

Die Nacht wurde durchgegroovt und erst um 5 Uhr morgens traten wir den Heimweg an, womit wir 11 Stunden lang durchgefeiert haetten. Gluecklicherweise wachte ich um 11 zwar etwas muede, aber ansonsten frisch und froehlich auf, half das Sonntagsessen kochen, ging mit einer Freundin noch mal bei Oupa und Co vorbei und brachte eine andere Freundin anschliessend zum Taxirank. Auf dem Rueckweg sackte ich Yvonne von ihrem Society- Treffen ein und wir kamen voellig erschoepft abends um halb 7 heim. Wie der gestrige Montag war... na ja, da muss ich ja nicht mehr viel zu sagen, im Prinzip war das ganze Centre ein einziger Schlafsaal  (es waren ja fast alle Mitarbeiter hier mit feiern gewesen).

So viel zu den letzteren Ereignissen, die Arbeit geht ganz gut voran, auch mit einigen Schwierigkeiten heir und da, aber ‘s passt scho‘! Wuensch euch ‘ne gute Woche!

P.S. Daten im Maerz: Tuberculosis Awareness Month / 11.03. World Kidney Day / 21.03. Human Rights Day

Sonntag, 24. Januar 2010

Rückblick und Aussicht

Da ist wohl was schiefgegangen. Ich hatte eigentlich eine kleine Uebrsicht über letzte Events und zukünftige Pläne geben wollen, doch am Ende stand nur der Titel da.
Also hier noch mal:

Nachdem mein Weihnachtsfest leider von Tod und Beerdigung überschattet war, konnte ich glücklicherweise ein sehr schönes Neujahr feiern. Zusammen mit meinen Freunden, Gastbruedern und eigentlich fast unserem halben Dorf rutschte ich tanzend in Godfrey’s Pub ins neue und für Südafrika so hoffnungsreiche Jahr 2010! Es klappte sogar eine kurze telephonische Verbindung nach Deutschland, was mich ganz besonders freute, auch wenn nicht wirklich viel zu hören war...

Am 4. Januar öffnete dann auch schon wieder das Y- Centre, an das wir uns auch erst noch richtig gewöhnen mussten. Wir organisierten eine “Back to school” Woche, in der wir die Schüler direkt während spezieller Unterrichtsstunden (Life Orientation, vielleicht vergleichbar mit Ethik und Lebenskunde) in unser Zentrum holten, um sie mit der Einrichtung vertraut zu machen und für unsere Kurse zu registrieren. Das ganze Projekt war ein voller Erfolg, da wir unser Centre ‘promoteten’ und die Kinder endlich nach der Schule in Massen herbeiströmten und unser Angebot wahrnahmen.

Vom 25. Januar bis zum 4. Februar war für uns groundBREAKER dann das CORE I Training auf Omaramba (den Ort kannte ich schon von den Cluster Games, wo ich mit 100 Mädels auf dem Boden in der Konferenzhalle schlafen musste). Wir hatten unseren Mpintshis, die wir in den 3 Wochen vorher rekrutiert hatten, einige Aufträge gegeben, damit das Centre auch während unserer Abwesenheit weiterliefe.

So ein CORE I Training ist wirklich eine tolle Sache, auch wenn der Stundenplan doch schon sehr verdichtet war und uns der Kopf an manchen Abenden zu platzen drohte. Um mal einen kleinen Eindruck zu erhalten:

05.00: 1h morning fitness
07.00: Breakfast
07.45: Session I
12.45: Lunch
13.45: Session II
17.00: 1h Sports
18.00: Dinner
19.00: Session III
Gegen 21.00 war die letzte Session vorbei und um 22.00 dann Lichter aus.

Was aber neben den Einheiten ein ganz essenzieller Punkt bei loveLife ist, sind die Ice- Breaker, Energizer, Gesaenge und Tänze. Es wird ständig geklatscht, gesungen und rumgetanzt. Es gibt ein Repertoire das jeder kennt und dies wird ständig angewandt und praktiziert! Es macht einfach so viel Spaß, vor allem, weil eigentlich alle mitmachen und es nicht “peinlich” ist, wie verrückt im Kreis rumzuhuepfen.

Leider musste ich aber aufgrund des DED Seminars, das vom 1.- 5. Februar stattfand, das lL Training früher verlassen. Am Montag wurde ich also von unserem Manager Oupa nach Rustenburg gebracht und dort von drei Leitern einer anderen Organisation, die mit dem DED kooperiert, eingesammelt und mit auf die Inyala Lodge bei Ventersdorp gebracht. Eine Lodge inmitten eines Tierparks, nichts außer Natur und unserer Hütten – wunderschön! Frei lebende Giraffen, Elephanten, Impalas, Inyalas, Schakale, Hyänen, Büffel und sogar Löwen, wobei diese in Käfigen gehalten werden.

Das mit Abstand Beste war das Wiedersehen mit den anderen DEDlern, die ich zum Teil seit unserem Vorbereitungsseminar bzw. dem Besuch im Oktober bei mir, nicht mehr gesehen hatte. Es gab viel zu berichten; von schönen, beglückenden, bereichernden Momenten bis hin zu traurigen, ärgerlichen, ernüchternden Erfahrungen. Es war alles vertreten. Aber am Ende gehörte ich mit wenigen zu der Gruppe der zufriedenen und motivierten Freiwilligen.

Interessant war die Aufgabe, bei welcher wir unsere High- und Lowlights zeichnerisch in Form von Kurven darstellen sollten. Meine Halbjahresbilanz sah ziemlich hügelich aus, mit ständigen Hochs und Tiefs, aber das zeigt nur, wie intensiv das ganze doch ist. Es kann nicht immer rund gehen mit Friede- Freude- Eierkuchen und trotzdem bleibt am Ende etwas Positives zurück – das ist ja das Entscheidende!

Allerdings erwartete mich nach meiner Camprückkehr ein völlig neues Y- Centre, da das Team sich in meiner Abwesenheit quasi verdreifacht hat! Ich war also auf einen Schlag mit fast 20 neuen Mitarbeitern konfrontiert, was auf eine Art seltsam war, da ich mich so sehr auf das Centre gefreut hatte, dann aber nicht in eine vertraute, sondern in eine völlig neue Arbeitssituation geworfen wurde. 20 Menschen mit 20 verschiedenen Motivationen, mit 20 verschiedenen Herkünften, mit 20 verschiedenen Problemen, 20 verschiedenen Verhaltensweisen. Eine sehr komplexe, komplizierte Gruppendynamik. So kam es auch in den letzten zwei Wochen immer wieder zu Spannungen, Lästerei, Missverständnissen, Verärgerung und so weiter. Das war auch mit ein Grund, warum ich mich am Ende dieser Woche so dermaßen ausgebrannt fühlte, ich schlief von Samstag auf Sonntag ganze 12 Stunden! Und jede einzelne Minute war wichtig und gut investiert!


Vom 22. Bis zum 26. Februar war dann das CORE I + Training an der selben Oertlichkeit, dieses Mal aber genau das Gegenteil, wenn man von Verpflegung und Unterkunft ausgeht: Wir schliefen mit Schlafsaecken auf dem Boden und bekamen zwei Scheiben Toast zu essen... na ja so ungefaehr... Aber rundum war es wieder richtig schoen viele interessante Programme und Elemente wurden uns vorgestellt und beigebracht.

Jetzt geht die Arbeit erst mal weiter und ich warte natuerlich schon freudig aufgeregt auf den Besuch meiner Familie - in nur 25 Tagen ist es schon so weit!!! Wusaaa

Sonntag, 27. Dezember 2009

Tod in Südafrika

Am Freitag den 18. Dezember verstarb Onkel Mpho. Noch am Vormittag hatte er mit seinem Cousin im Garten einige Häuser weiter gearbeitet und als er sich dann nach dem Mittagessen vom Stuhl erheben wollte, kippte er nach hinten weg und schlug mit dem Kopf an die Wand. Zuerst bewusstlos, dann mit Krämpfen auf dem Boden windend und dann „schlafend“ wurden Mmama und ich erst am Abend benachrichtigt, wir sollten den Onkel doch bitte nach Hause bringen.

Als ich am Ort des Geschehens ankam, ahnte ich sofort das Schlimmste. Auch wenn die alten Damen noch um ihn rum saßen, ihn befühlten und sich unentwegt zuriefen, er sei doch noch warm. Es war zu spät. Da Mmama wusste, dass man ihr nicht glauben würde, wenn sie die Wahrheit über Mphos Zustand erklärte, holte sie eine Nachbarin hinzu, ihres Zeichens Krankenschwester und ließ diese den unruhigen Anwesenden die Nachricht übermitteln. Der Schock war allen ins Gesicht geschrieben und keiner wollte es wirklich wahrhaben. Ich wurde mit Phenyo nach Hause geschickt und war somit diejenige, die es Yvonne sagen musste.

Der Abend war ziemlich schrecklich, da alle paralysiert waren, gleichzeitig aber die Dokumente und der Leichenwagen organisiert werden mussten, um den Onkel in die „moshery“ zu bringen. Alle Verwandten und Freunde wurden angerufen, Nachbarn informiert und die meisten beschuldigten uns noch eines schlechten Scherzes: Onkel Mpho – der verrückte, witzige alte Mann, der einfach immer zugegen gewesen war und schon jeden Mal zum Lachen gebracht hatte. Nun war er einfach gegangen.

Am Samstag standen alle sehr früh auf, denn es gab einiges vorzubereiten. Ich war von 9- 12 Uhr zur Arbeit im Y- Centre, da es der letzte Tag unseres Workshops war und wir unsere Abschlusssendung hatten. Anschließend ging ich direkt heim, um mit anzupacken: Die gesamte Bekleidung Mphos, alle Bettücher und Vorhänge wurde gewaschen, das Zimmer des Verstorbenen wurde bis aufs Bett und eine Kommode leer geräumt, die Zimmerwände ausgebessert und der Boden gefegt. Hier in Südafrika ist es Brauch, dass die „Hausmutter“ – hier Koko Nnoy - vom Tage des Todes bis ungefähr 2 Wochen danach auf einer Matte im Zimmer des Verstorbenen schläft, eventuell mit zwei bis drei ihrer Schwestern oder Cousinen, die über diesen Zeitraum dann dort wohnen. Den ganzen Tag und die ganze Nacht muss ein Licht den Raum erhellen, gleich ob Glühbirne oder Kerze.

Neben diesen häuslichen Vorbereitungen gab es allerdings auch einige Gäste zu bedienen, denn vom Tage des Todes an kommen jeden Tag Besucher, um mit den Hinterbliebenen zu trauern. Man kann sich jetzt darüber streiten, was trauern ist. Hier sieht das so aus, dass vom frühen Morgen bis späten Abend Männer und Frauen voneinander getrennt im Garten im Schatten sitzen, Tee trinken, Kekse essen, zu Mittag essen, zu Abend essen und sich unterhalten. Das bedeutete für mich Kekse backen, Tee kochen, die Herren bedienen, Kekse backen, abwaschen, Tee kochen, die Damen bedienen, abwaschen, Tee kochen,… Auch wenn es zum Servieren des Essens kommt, müssen immer die Herren zuerst bedient werden, dann kommen die Damen. Fragen hierüber sind überflüssig – Tradition.

Am Abend waren wir alle dann ziemlich erschöpft und ich ging früh schlafen.

Der Sonntag verlief ähnlich, ein Gastbruder und anderer Onkel strichen das Haus neu, das Zelt wurde im Vorgarten aufgestellt, die Kochstelle aufgebaut, der Rasen gemäht. Gegen 13 Uhr nach der Messe kamen dann die Kirchenmitglieder vorbei, es wurde ein kurzer Gottesdienst im Hause am Zimmer des Toten gehalten, gesungen und gebetet. Anschließend wieder Kekse angeboten und Fruchtsaft ausgeschenkt.

So ähnlich verging auch der Montag, außer, dass abends einige Freunde vorbeikamen und mich mit zu Madalas zum Braai nahmen. Das tat wirklich gut, da die Stimmung bei uns natürlich schon relativ gespannt und bedrückend war. Nur zwei Stunden draußen zu sein, laut lachen und Späße machen zu können, war sehr befreiend.

Am Dienstag nahm mich Mmama dann mit, um die Einkäufe für Mittwochnacht und Donnerstag zu unternehmen, auch weil alle meinten, ich arbeite ansonsten zu viel im Hause. So fuhren wir mit Thabo nach Rustenburg und machten Großeinkauf in einem Supermarkt, der voll mit Chinesen und anderen Shopbesitzern ist. (Denn die meisten lokalen Shops werden von Chinesen geführt. Aus irgendwelchen Gründen gehen die von Südafrikanern geleiteten Läden fast immer bankrott.) Es war rappelvoll sowie die gesamte Stadt kurz vor Weihnachten und ich kam mir mit unserem Rieseneinkaufswagen vor, wie beim Autoskooter. Als wir nachmittags zurückkamen, war erstmal ein langes, kühles Bad angesagt und dann versuchte ich etwas zu entspannen.

Mittwoch in der früh weckte ich Lucky auf, um für 7 Uhr bereit zum Aufbruch zu sein. Wir fingen ein Taxi in die Stadt (to fetch a taxi to town) und gingen dort auf Kleider-, Schuh- und Accessoires- Jagd. Trotz der frühen Stunde war es brütend heiß und wir waren mehr als erschöpft, als wir kurz nach 1 wieder daheim ankamen. In der Zwischenzeit war schon mehr Verwandtschaft aus dem Lande angerückt, denn die Nacht vor der Beerdigung gehört hier ganz essenziell mit zur Zeremonie dazu.

Um 18 Uhr war es dann soweit: Der Sarg wurde von der „moshery“ mit dem Leichenwagen zum Hause des Verstorbenen gebracht. Alle Trauergäste bildeten einen Pfad, inmitten dessen der Sarg bis zu Mphos Zimmer getragen wurde. Dort hatten sich inzwischen Koko Nnoy, die beiden Cousinen, Yvonne, Phenyo, Refilwe, Karabo und auch ich (somit ein Teil der Familie!) auf Mphos Bett zusammengefunden. Es hätte hochspirituell sein können, doch das Quietschen der Trage, das Keuchen der Männer, der immer wieder zusammenklappende Aufstellvorhang, das alles machte die Situation doch etwas skurril. Und trotzdem überkam mich ein Schauer, als ich dann an den Sarg geholt wurde und den in weiße Tücher gehüllten Mpho durch das Glas sah. Es war das erste Mal, dass ich einen Toten so gesehen habe.

Die Kleinen waren ziemlich aufgewühlt, Karabo hatte einen heftigen Weinkrampf und wir gingen mit ihnen raus, um sie zu beruhigen. Aber auch ich musste mich dann erst einmal etwas apart setzen, um Durchzuatmen und das Gesehene zu verarbeiten.

Inzwischen hatten Damen von der „society“ und andere Freunde begonnen, mehr Kekse zu backen, Karotten und Kartoffeln zu schälen, Tomaten zu reiben, Zwiebeln zu häuten, das Fleisch zu marinieren und überhaupt alle Zutaten für den kommenden Tag vor- und zuzubereiten. Den Rest der Nacht verbrachten wir draußen, die Männer mit ihren Getränken, die Frauen am Arbeiten und die Jüngeren (also meine Gastbrüder, Freunde von uns und ich) zusammensitzend. Nur gegen 3 Uhr entschied ich, mich für zwei Stunden hinzulegen. Um 5 ging ich ins Bad, zog mich um und war dann um 6 Uhr bereit für die Beerdigung.

Es gibt für solche Anlässe hier ganz bestimmte Kleidungsrichtlinien: So müssen die Männer neben Hose und Hemd auf jeden Fall ein Jackett tragen und die Frauen müssen Schultern, Knie und ihren Kopf bedecken. Die Farbauswahl der Bekleidung steht aber jedem ganz frei, es muss gar nicht schwarz sein.

Bis 7 Uhr kamen weitere Trauergäste aus ganz Luka und Umgebung dazu und unter dem Zelt im Vorgarten begann der Totengottesdienst. Es wurde wieder gesungen, gebetet, zwei Reden gehalten und die Grüße oder Wünsche der Familie an den Verstorbenen vorgelesen. Mit dem Kirchenlied „He is going home to die no more“ zog die ganze Trauergemeinde singend hinter dem Leichenwagen her bis zum Friedhof ans Grab. Die Familienmitglieder setzten sich unter das weinrote Zelt und alle anderen standen im großen Kreis um das Grab herum. Wieder wurden Worte vom Pfarrer verlesen, wir beteten und sangen und dann wurde der Sarg langsam hinabgelassen. Alle Männer, die sich dazu in der Lage fühlten, stellten sich in einer Schlange hinter das offene Grab und begannen der Reihe nach die Öffnung mit dem rotbraunen Sand zuzuschaufeln. Ob der Trockenheit staubte es unheimlich und wir mussten unsere Tücher vor Nase und Mund halten. Dann wurden Blumen und ein mit Mphos Namen versehenes Holzscheit auf das Grab gesteckt und wir traten den Rückweg an.

Die zurückgebliebenen Helferinnen hatten schon alles vorbereitet und an den beiden Eingangstüren zum Garten befanden sich mit Seife und grünen Paprikastückchen versehene Wassereimer, um sich die Hände zu reinigen. Wieder geschlechtergetrennt stellten sich die Gäste für das Totenmahl an und verteilten sich dann auf den Stühlen und anderen Sitzmöglichkeiten.

Am Nachmittag ging ich für einige Stunden mit Freunden zu Oupa nach Hause, da wir dort Platz hatten und etwas lebendiger sein konnten, doch als ich abends zurückkam, saßen immer noch viele Leute im Garten.

Ich hatte gedacht, dass es mit Donnerstag vorbei sei, doch bis heute noch haben wir täglich besuch von Verwandten, die den Tag hier verbringen und kräftig beim Resteessen helfen. Die einen sehen darin „emotionale Unterstützung“, andere nennen es glatt „Ausbeute – die sind doch froh, dass sie mal für eine Woche nicht kochen müssen und freie Mahlzeiten erhalten“. Wie auch immer, wir sind jetzt schon über eine Woche in die Beerdigungsvor- und Nachbereitungen eingebunden und eine kleine Auszeit vor Arbeitsbeginn täte hier allen gut.

Obwohl ich meinem geplatzten Urlaub in Cape Town schon nachtrauere, bin ich trotzdem davon überzeugt, dass dieses Erlebnis ganz wichtig war und mich noch mal um einiges näher an den hiesigen Kulturkreis und auch die Familie gebracht hat.