Wie im Film, aber im wahren Leben fehlt leider der humorvolle Teil.
Am Donnerstag, den 13. Mai 2010 wurde in der Thethe High School direkt neben unserem Y-Centre der >Memorial Service< fuer einen am Wochenende zuvor verstorbenen Schueler abgehalten. Die Todesumstaende waren und sind immer noch mehr als mysterioes und bedrueckend: Er war am Freitagabend mit Freunden unterwegs gewesen und hatte gemeinsam mit ihnen ein paar Bier getrunken. Ploetzlich fuehlte er sich nicht wohl und legte sich hin. Er muss einige Kraempfe durchlitten haben bevor er starb. Spaeter konnte man Spuren von Gift im Bierglas nachweisen... Woher kommt denn nun das Gift und wer hat es untergemischt? Viele noch ungeklaerte Fragen und besonders schmerzlich in dem Wissen, dass er anscheinend mit „Freunden“ unterwegs war.
Die Andacht, bei der wir als loveLife Team mit unserem SoundSystem eingeschlossen Mikrophonen und musikalischem Hintergrund involviert waren, war sehr beruehrend und als der Jungenchor „One day we’ll all be in heaven and I’ll be wearing my golden shoes“ sangen und bei den gesummten Strophen mit Anekdoten an den Verstorbenen erinnerten, blieb kaum ein Auge trocken. Es war sehr ergreifend und Familie und nahestehende Freunde waren dankbar ueber jede anzulehnende Schulter.
Die Beerdigung fand am folgenden Samstag frueh morgens in Phokeng statt und eine grosse Trauergemeinde zog ueber das Feld zum Friedhof.
Am gleichen Samstag gab es allerdings auch die Hochzeit einer unserer ex-Mpintshis zu feiern, die fast das ganze Y-Centre zu dieser Festivitaet geladen hatte. Nach Schliessung des Centres gegen halb5 machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Haus ihrer Eltern. Es gibt in Suedafrika naemlich immer zwei verschiedene Orte, an denen gefeiert wird, zum Einen das Haus der Brauteltern und zum Anderen das der Braeutigamseltern. Da wir aber von der Braut eingeladen worden waren, konnten wir nicht zum viel naeher gelegenen Braeutigamshaus gehen.
Nach einer guten halben Stunde Fussweg gelangten wir zum Ort des Geschehens, beziehungsweise Ort des Ungeschehens, denn als wir ankamen war nicht sehr viel los, ausser ein paar aelterer Herren im Stuhlkreis mit „homebrewed bear“ und der zu wuenschen uebrig lassenden >Luka Brass Band<. Auch auf meine Bitte hin „Kekopa go batsameka pila!“ (please play nicely!) wurde es nicht wirklich besser. Doch auch unser Stuhlkreis weitete sich immer weiter aus, die DJs fingen an, House aufzulegen und bei uns ging langsam aber sicher die Party los. Es wurde getanzt, getrunken, gelacht. So wie das ja bestenfalls immer sein soll.
Typisch suedafrikanisch verliessen wir die Feier dann aber schon gegen 9 Uhr abends, die Gastgeberin war auch schon halb auf dem Weg ins Bett und unsere Gruppe teilte sich auf. Manche gingen noch hierhin, manche nach Hause und Yvonne konnte gluecklicherweise von Godfrey und Lesego ueberredet werden noch mit zu Petlele zu kommen, eine nahegelegene Tavern, in der man ungestoert und nett draussen sitzen kann. Waere es nicht um die Ueberredungskunst der beiden Herren gewesen, haette ich dann wohl auch um halb10 mein Kopfkissen gegruesst, denn alleine laesst mich ausi Vovo dann doch nicht gern ziehen.
Am Montag, den 23. Mai als ich gerade vom Seminar zurueckgekommen war und mich in der Thethe High School bei den Lehrern nach dem neusten Stand der Dinge erkundigen wollte, musste ich erfahren, dass es einen neuen Todesfall gab. Ein Junge der Abiturklasse war von Sonntag- auf Montagnacht an einer bisher noch ungeklaerten Krankheit verstorben.
Anscheinend ging es ihm schon seit dem vorangegangenen Mittwoch nicht gut und er hatte die lokale Klinik aufgesucht, wo man ihm allerdings aufgrund des Mangels an Medikamenten nur paracetamol mit nach Hause gab. Er fand keine weitere Untersuchung statt, er wurde nicht ins Krankenhaus verwiesen und fuer einen Arztbesuch war das Geld nicht vorhanden. Als sich dann am Sonntagabend sein Zustand verschlimmerte, er nur noch schlief und nicht mehr ass, trank noch redete, wurden die Familienangehoerigen doch besorgter, aber das Glueck einer Ambulanz genoss der Junge leider nicht mehr. Er verstarb in der selben Nacht.
Die Nachricht eines weitern Todes in dieser so kurzen Zeit erschuetterte uns alle sehr und Unglaeubigkeit und Angst machte sich breit. Gerade in der suedafrikansichen Kultur kommt bei solchen Vorkommnissen einfach der Verdacht auf >schwarze Magie< auf, vielleicht ist Thethe High School verhext oder verflucht...
Am morgigen Donnerstag wird also nach nur zwei Wochen der zweite >Memorial Service< stattfinden. Gestern kam mich deshalb ein enger Freund des verstorbenen Jungen um Hilfe bitten, er solle die Rede halten, aber wisse nicht, wie anfangen. So setzte ich mich mit ihm nach draussen und fing an ihn ueber besondere Charakteristiken seines Freundes zu befragen, was ihn so einen guten Freund machte, fuer was er bekannt war und welche Situationen ihm zu diesem einfielen. Er redete lange mit mir und erzaehlte mir eine Menge ueber seinen Freund. Daraufhin gab ich ihm Stift und Zettel und bat ihn, das Erzaehlte versuchsweise auf Papier zu bringen. Als ich seinen Text las, spuehrte ich schon, wie sich meine Augen mit Traenen fuellten. Ich half ihm dabei, die Rede zu gestalten und regte ihn zu einigen Veraenderungen an. Am Ende hatten wir sehr viele schoene Passagen, die es nur noch galt zusammenzulegen.
Morgen um 12 Uhr werden wir also erneut mit SoundSystem und Co. in die Schulhalle gehen udn ich ahne, dass es wieder sehr ergreifen wird.
Die einzige Frage, die ich mir jetzt noch stelle... Wie kommt es, dass ich seit meinem Aufenthalt in Suedafrika mit so viel Tod konfrontiert werde, wie bislang in meinem Leben nicht? Ist es die Dorfsituation, in der man viel naeher an allem dran ist? Ich weiss es nicht. Und neben den erwaehnten Faellen ist heute der Anruf eingegangen, die schwangere Freundin einer meiner Arbeitskollegen sei gestern bei einem Autounfall ums Leben gekommen, ein anderer Bekannter hat erst vor drei Wochen sein Neugeborenes verloren und der anderthalbjaehrige Sohn unseres Theaterlehrers ist zu einer aehnlichen Zeit erkrankt und ebenfalls gestorben. Vier Schuelerinnen der Middle School haben einen Elternteil verloren und ein Schueler der High School seinen kleinen Bruder. Ich koennte jetzt noch ewig so weiter machen, aber darum geht es mir ja auch gar nicht. Es ist nur seltsam so permanent mit dem Sensemann konfrontiert zu sein, aber gleichzeitig auch interessant mitzuerleben, wie mit Verlusten umgegangen wird... „God has taken him/her for a reason... everything happens for a purpose... the world is still rotating and life goes on...there is nothing we can say or do...” Ich glaube, vermute, dass auch diese Art des Umgangs mit Tod und Verlust zum Teil mit der „mentality of struggle“ zu tun hat. Die Bevoelkerung hier sieht es quasi als ihr Erbe an, zu leiden und Schwierigkeiten zu haben. Nichts kommt einfach und schmerzlos daher und wenn doch, dann kann es nicht mit rechten Dingen zugehen.
Dies sind natuerlich nur subjektive Beobachtungen und meine klaeglichen Versuche, mir diese Welt begreifbarer zu machen und sie fuer meinereins zu erklaeren.
Allein aus Freude am Sehen und ohne Hoffnung, seine Eindrücke und Erlebnisse mitteilen zu dürfen, würde niemand über das Meer fahren. (Blaise Pascal)
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Mittwoch, 26. Mai 2010
Dienstag, 9. März 2010
Feierwillige aufgepasst!
Soso, was gibt ’s den so Neues vom suedafrikanischen Planeten...
Zunaechst war da die an diesem Wochenende unvergessliche Geburtstagsparty meiner beiden „Manager“ Oupa (30) und Godfrey (27). Es waren Gaeste aus der ganzen North- West Provinz geladen, vorrangig lL groundBREAKER und andere dem lL Clan Angehoerige.
Das Gelage sollte am Samstag starten, doch schon am Freitag kamen einige der Feierwilligen hier in Luka an und nahmen auch gerne eine Nacht auf dem Boden, auf Stuehlen oder im Auto in Kauf, denn die Bettenanzahl reichte bei weitem nicht aus, um alle kuschelig zu beherbergen.
Somit startete also schon am Freitag Abend inoffiziell die Party mit einer verrueckten Bukkie- Fahrt zum beliebten Pub „Lucky’s“ in Phokeng. Um sich diese „Verruecktheit“ besser vorstellen zu koennen: Es war vielleicht nach 20 Uhr und ich war gerade dabei das Geschirr vom Abendessen zu spuelen, als ich das Brummen von Motoren und vertraute Gesaenge vernahm. Neugierig ging ich aus dem Haus, um nach der Ursache dieser Geraeuschkulisse zu schauen. Und was ich sah war wirklich witzig: Ein Bukkie voll mit tanzenden, singenden und trinkenden Menschen, um genau zu sein mit angereisten groundBREAKERN und Trainern, die lL Songs (alle von den Camps bekannt) sangen und Bier tranken. Nachdem sie mich erblickt hatten, fing sofort das Gejubel und Gerufe an und als ich dann am Bukkie stand, zogen mich die Insassen mit „Mapula, Sophie, come!“ einfach auf’s Deck . So wie ich war wurde ich also gekidnapped und verbrachte eine ueberaus spassige Nacht mit den Jungens.
Samstag kuemmerte ich mich dann wie ueblich um meine Waesche, ein saueberes Zimmer, etc. bis dann gegen 16 Uhr einige Freunde aufkreuzten, mit denen ich gemeinsam zur Party gehen wollten. Wir sassen noch etwas quatschend herum und brachen dann 2 Stunden spaeter zu Oupas nicht weit entfernten Haus auf. Dort wurde schon fleissig gegrillt und Musik aufgelegt. Zu Oupas und Godfreys Glueck waren insgesamt 6 DJs anwesend, alle Freunde und damit 4free! Es war einfach nur genial! Wir hatten einen hammermaessigen Sound mit Housemusik vom Feinsten, super DJs und lekker Essen. Bis 12 Uhr waren Haus und Garten berstend voll und um Mitternacht wurde dann mit Kerzen fuer unsere Geburtstagskinder gesungen!
Die Nacht wurde durchgegroovt und erst um 5 Uhr morgens traten wir den Heimweg an, womit wir 11 Stunden lang durchgefeiert haetten. Gluecklicherweise wachte ich um 11 zwar etwas muede, aber ansonsten frisch und froehlich auf, half das Sonntagsessen kochen, ging mit einer Freundin noch mal bei Oupa und Co vorbei und brachte eine andere Freundin anschliessend zum Taxirank. Auf dem Rueckweg sackte ich Yvonne von ihrem Society- Treffen ein und wir kamen voellig erschoepft abends um halb 7 heim. Wie der gestrige Montag war... na ja, da muss ich ja nicht mehr viel zu sagen, im Prinzip war das ganze Centre ein einziger Schlafsaal (es waren ja fast alle Mitarbeiter hier mit feiern gewesen).
So viel zu den letzteren Ereignissen, die Arbeit geht ganz gut voran, auch mit einigen Schwierigkeiten heir und da, aber ‘s passt scho‘! Wuensch euch ‘ne gute Woche!
P.S. Daten im Maerz: Tuberculosis Awareness Month / 11.03. World Kidney Day / 21.03. Human Rights Day
Zunaechst war da die an diesem Wochenende unvergessliche Geburtstagsparty meiner beiden „Manager“ Oupa (30) und Godfrey (27). Es waren Gaeste aus der ganzen North- West Provinz geladen, vorrangig lL groundBREAKER und andere dem lL Clan Angehoerige.
Das Gelage sollte am Samstag starten, doch schon am Freitag kamen einige der Feierwilligen hier in Luka an und nahmen auch gerne eine Nacht auf dem Boden, auf Stuehlen oder im Auto in Kauf, denn die Bettenanzahl reichte bei weitem nicht aus, um alle kuschelig zu beherbergen.
Somit startete also schon am Freitag Abend inoffiziell die Party mit einer verrueckten Bukkie- Fahrt zum beliebten Pub „Lucky’s“ in Phokeng. Um sich diese „Verruecktheit“ besser vorstellen zu koennen: Es war vielleicht nach 20 Uhr und ich war gerade dabei das Geschirr vom Abendessen zu spuelen, als ich das Brummen von Motoren und vertraute Gesaenge vernahm. Neugierig ging ich aus dem Haus, um nach der Ursache dieser Geraeuschkulisse zu schauen. Und was ich sah war wirklich witzig: Ein Bukkie voll mit tanzenden, singenden und trinkenden Menschen, um genau zu sein mit angereisten groundBREAKERN und Trainern, die lL Songs (alle von den Camps bekannt) sangen und Bier tranken. Nachdem sie mich erblickt hatten, fing sofort das Gejubel und Gerufe an und als ich dann am Bukkie stand, zogen mich die Insassen mit „Mapula, Sophie, come!“ einfach auf’s Deck . So wie ich war wurde ich also gekidnapped und verbrachte eine ueberaus spassige Nacht mit den Jungens.
Samstag kuemmerte ich mich dann wie ueblich um meine Waesche, ein saueberes Zimmer, etc. bis dann gegen 16 Uhr einige Freunde aufkreuzten, mit denen ich gemeinsam zur Party gehen wollten. Wir sassen noch etwas quatschend herum und brachen dann 2 Stunden spaeter zu Oupas nicht weit entfernten Haus auf. Dort wurde schon fleissig gegrillt und Musik aufgelegt. Zu Oupas und Godfreys Glueck waren insgesamt 6 DJs anwesend, alle Freunde und damit 4free! Es war einfach nur genial! Wir hatten einen hammermaessigen Sound mit Housemusik vom Feinsten, super DJs und lekker Essen. Bis 12 Uhr waren Haus und Garten berstend voll und um Mitternacht wurde dann mit Kerzen fuer unsere Geburtstagskinder gesungen!
Die Nacht wurde durchgegroovt und erst um 5 Uhr morgens traten wir den Heimweg an, womit wir 11 Stunden lang durchgefeiert haetten. Gluecklicherweise wachte ich um 11 zwar etwas muede, aber ansonsten frisch und froehlich auf, half das Sonntagsessen kochen, ging mit einer Freundin noch mal bei Oupa und Co vorbei und brachte eine andere Freundin anschliessend zum Taxirank. Auf dem Rueckweg sackte ich Yvonne von ihrem Society- Treffen ein und wir kamen voellig erschoepft abends um halb 7 heim. Wie der gestrige Montag war... na ja, da muss ich ja nicht mehr viel zu sagen, im Prinzip war das ganze Centre ein einziger Schlafsaal (es waren ja fast alle Mitarbeiter hier mit feiern gewesen).
So viel zu den letzteren Ereignissen, die Arbeit geht ganz gut voran, auch mit einigen Schwierigkeiten heir und da, aber ‘s passt scho‘! Wuensch euch ‘ne gute Woche!
P.S. Daten im Maerz: Tuberculosis Awareness Month / 11.03. World Kidney Day / 21.03. Human Rights Day
Sonntag, 24. Januar 2010
Rückblick und Aussicht
Da ist wohl was schiefgegangen. Ich hatte eigentlich eine kleine Uebrsicht über letzte Events und zukünftige Pläne geben wollen, doch am Ende stand nur der Titel da.
Also hier noch mal:
Nachdem mein Weihnachtsfest leider von Tod und Beerdigung überschattet war, konnte ich glücklicherweise ein sehr schönes Neujahr feiern. Zusammen mit meinen Freunden, Gastbruedern und eigentlich fast unserem halben Dorf rutschte ich tanzend in Godfrey’s Pub ins neue und für Südafrika so hoffnungsreiche Jahr 2010! Es klappte sogar eine kurze telephonische Verbindung nach Deutschland, was mich ganz besonders freute, auch wenn nicht wirklich viel zu hören war...
Am 4. Januar öffnete dann auch schon wieder das Y- Centre, an das wir uns auch erst noch richtig gewöhnen mussten. Wir organisierten eine “Back to school” Woche, in der wir die Schüler direkt während spezieller Unterrichtsstunden (Life Orientation, vielleicht vergleichbar mit Ethik und Lebenskunde) in unser Zentrum holten, um sie mit der Einrichtung vertraut zu machen und für unsere Kurse zu registrieren. Das ganze Projekt war ein voller Erfolg, da wir unser Centre ‘promoteten’ und die Kinder endlich nach der Schule in Massen herbeiströmten und unser Angebot wahrnahmen.
Vom 25. Januar bis zum 4. Februar war für uns groundBREAKER dann das CORE I Training auf Omaramba (den Ort kannte ich schon von den Cluster Games, wo ich mit 100 Mädels auf dem Boden in der Konferenzhalle schlafen musste). Wir hatten unseren Mpintshis, die wir in den 3 Wochen vorher rekrutiert hatten, einige Aufträge gegeben, damit das Centre auch während unserer Abwesenheit weiterliefe.
So ein CORE I Training ist wirklich eine tolle Sache, auch wenn der Stundenplan doch schon sehr verdichtet war und uns der Kopf an manchen Abenden zu platzen drohte. Um mal einen kleinen Eindruck zu erhalten:
05.00: 1h morning fitness
07.00: Breakfast
07.45: Session I
12.45: Lunch
13.45: Session II
17.00: 1h Sports
18.00: Dinner
19.00: Session III
Gegen 21.00 war die letzte Session vorbei und um 22.00 dann Lichter aus.
Was aber neben den Einheiten ein ganz essenzieller Punkt bei loveLife ist, sind die Ice- Breaker, Energizer, Gesaenge und Tänze. Es wird ständig geklatscht, gesungen und rumgetanzt. Es gibt ein Repertoire das jeder kennt und dies wird ständig angewandt und praktiziert! Es macht einfach so viel Spaß, vor allem, weil eigentlich alle mitmachen und es nicht “peinlich” ist, wie verrückt im Kreis rumzuhuepfen.
Leider musste ich aber aufgrund des DED Seminars, das vom 1.- 5. Februar stattfand, das lL Training früher verlassen. Am Montag wurde ich also von unserem Manager Oupa nach Rustenburg gebracht und dort von drei Leitern einer anderen Organisation, die mit dem DED kooperiert, eingesammelt und mit auf die Inyala Lodge bei Ventersdorp gebracht. Eine Lodge inmitten eines Tierparks, nichts außer Natur und unserer Hütten – wunderschön! Frei lebende Giraffen, Elephanten, Impalas, Inyalas, Schakale, Hyänen, Büffel und sogar Löwen, wobei diese in Käfigen gehalten werden.
Das mit Abstand Beste war das Wiedersehen mit den anderen DEDlern, die ich zum Teil seit unserem Vorbereitungsseminar bzw. dem Besuch im Oktober bei mir, nicht mehr gesehen hatte. Es gab viel zu berichten; von schönen, beglückenden, bereichernden Momenten bis hin zu traurigen, ärgerlichen, ernüchternden Erfahrungen. Es war alles vertreten. Aber am Ende gehörte ich mit wenigen zu der Gruppe der zufriedenen und motivierten Freiwilligen.
Interessant war die Aufgabe, bei welcher wir unsere High- und Lowlights zeichnerisch in Form von Kurven darstellen sollten. Meine Halbjahresbilanz sah ziemlich hügelich aus, mit ständigen Hochs und Tiefs, aber das zeigt nur, wie intensiv das ganze doch ist. Es kann nicht immer rund gehen mit Friede- Freude- Eierkuchen und trotzdem bleibt am Ende etwas Positives zurück – das ist ja das Entscheidende!
Allerdings erwartete mich nach meiner Camprückkehr ein völlig neues Y- Centre, da das Team sich in meiner Abwesenheit quasi verdreifacht hat! Ich war also auf einen Schlag mit fast 20 neuen Mitarbeitern konfrontiert, was auf eine Art seltsam war, da ich mich so sehr auf das Centre gefreut hatte, dann aber nicht in eine vertraute, sondern in eine völlig neue Arbeitssituation geworfen wurde. 20 Menschen mit 20 verschiedenen Motivationen, mit 20 verschiedenen Herkünften, mit 20 verschiedenen Problemen, 20 verschiedenen Verhaltensweisen. Eine sehr komplexe, komplizierte Gruppendynamik. So kam es auch in den letzten zwei Wochen immer wieder zu Spannungen, Lästerei, Missverständnissen, Verärgerung und so weiter. Das war auch mit ein Grund, warum ich mich am Ende dieser Woche so dermaßen ausgebrannt fühlte, ich schlief von Samstag auf Sonntag ganze 12 Stunden! Und jede einzelne Minute war wichtig und gut investiert!
Vom 22. Bis zum 26. Februar war dann das CORE I + Training an der selben Oertlichkeit, dieses Mal aber genau das Gegenteil, wenn man von Verpflegung und Unterkunft ausgeht: Wir schliefen mit Schlafsaecken auf dem Boden und bekamen zwei Scheiben Toast zu essen... na ja so ungefaehr... Aber rundum war es wieder richtig schoen viele interessante Programme und Elemente wurden uns vorgestellt und beigebracht.
Jetzt geht die Arbeit erst mal weiter und ich warte natuerlich schon freudig aufgeregt auf den Besuch meiner Familie - in nur 25 Tagen ist es schon so weit!!! Wusaaa
Also hier noch mal:
Nachdem mein Weihnachtsfest leider von Tod und Beerdigung überschattet war, konnte ich glücklicherweise ein sehr schönes Neujahr feiern. Zusammen mit meinen Freunden, Gastbruedern und eigentlich fast unserem halben Dorf rutschte ich tanzend in Godfrey’s Pub ins neue und für Südafrika so hoffnungsreiche Jahr 2010! Es klappte sogar eine kurze telephonische Verbindung nach Deutschland, was mich ganz besonders freute, auch wenn nicht wirklich viel zu hören war...
Am 4. Januar öffnete dann auch schon wieder das Y- Centre, an das wir uns auch erst noch richtig gewöhnen mussten. Wir organisierten eine “Back to school” Woche, in der wir die Schüler direkt während spezieller Unterrichtsstunden (Life Orientation, vielleicht vergleichbar mit Ethik und Lebenskunde) in unser Zentrum holten, um sie mit der Einrichtung vertraut zu machen und für unsere Kurse zu registrieren. Das ganze Projekt war ein voller Erfolg, da wir unser Centre ‘promoteten’ und die Kinder endlich nach der Schule in Massen herbeiströmten und unser Angebot wahrnahmen.
Vom 25. Januar bis zum 4. Februar war für uns groundBREAKER dann das CORE I Training auf Omaramba (den Ort kannte ich schon von den Cluster Games, wo ich mit 100 Mädels auf dem Boden in der Konferenzhalle schlafen musste). Wir hatten unseren Mpintshis, die wir in den 3 Wochen vorher rekrutiert hatten, einige Aufträge gegeben, damit das Centre auch während unserer Abwesenheit weiterliefe.
So ein CORE I Training ist wirklich eine tolle Sache, auch wenn der Stundenplan doch schon sehr verdichtet war und uns der Kopf an manchen Abenden zu platzen drohte. Um mal einen kleinen Eindruck zu erhalten:
05.00: 1h morning fitness
07.00: Breakfast
07.45: Session I
12.45: Lunch
13.45: Session II
17.00: 1h Sports
18.00: Dinner
19.00: Session III
Gegen 21.00 war die letzte Session vorbei und um 22.00 dann Lichter aus.
Was aber neben den Einheiten ein ganz essenzieller Punkt bei loveLife ist, sind die Ice- Breaker, Energizer, Gesaenge und Tänze. Es wird ständig geklatscht, gesungen und rumgetanzt. Es gibt ein Repertoire das jeder kennt und dies wird ständig angewandt und praktiziert! Es macht einfach so viel Spaß, vor allem, weil eigentlich alle mitmachen und es nicht “peinlich” ist, wie verrückt im Kreis rumzuhuepfen.
Leider musste ich aber aufgrund des DED Seminars, das vom 1.- 5. Februar stattfand, das lL Training früher verlassen. Am Montag wurde ich also von unserem Manager Oupa nach Rustenburg gebracht und dort von drei Leitern einer anderen Organisation, die mit dem DED kooperiert, eingesammelt und mit auf die Inyala Lodge bei Ventersdorp gebracht. Eine Lodge inmitten eines Tierparks, nichts außer Natur und unserer Hütten – wunderschön! Frei lebende Giraffen, Elephanten, Impalas, Inyalas, Schakale, Hyänen, Büffel und sogar Löwen, wobei diese in Käfigen gehalten werden.
Das mit Abstand Beste war das Wiedersehen mit den anderen DEDlern, die ich zum Teil seit unserem Vorbereitungsseminar bzw. dem Besuch im Oktober bei mir, nicht mehr gesehen hatte. Es gab viel zu berichten; von schönen, beglückenden, bereichernden Momenten bis hin zu traurigen, ärgerlichen, ernüchternden Erfahrungen. Es war alles vertreten. Aber am Ende gehörte ich mit wenigen zu der Gruppe der zufriedenen und motivierten Freiwilligen.
Interessant war die Aufgabe, bei welcher wir unsere High- und Lowlights zeichnerisch in Form von Kurven darstellen sollten. Meine Halbjahresbilanz sah ziemlich hügelich aus, mit ständigen Hochs und Tiefs, aber das zeigt nur, wie intensiv das ganze doch ist. Es kann nicht immer rund gehen mit Friede- Freude- Eierkuchen und trotzdem bleibt am Ende etwas Positives zurück – das ist ja das Entscheidende!
Allerdings erwartete mich nach meiner Camprückkehr ein völlig neues Y- Centre, da das Team sich in meiner Abwesenheit quasi verdreifacht hat! Ich war also auf einen Schlag mit fast 20 neuen Mitarbeitern konfrontiert, was auf eine Art seltsam war, da ich mich so sehr auf das Centre gefreut hatte, dann aber nicht in eine vertraute, sondern in eine völlig neue Arbeitssituation geworfen wurde. 20 Menschen mit 20 verschiedenen Motivationen, mit 20 verschiedenen Herkünften, mit 20 verschiedenen Problemen, 20 verschiedenen Verhaltensweisen. Eine sehr komplexe, komplizierte Gruppendynamik. So kam es auch in den letzten zwei Wochen immer wieder zu Spannungen, Lästerei, Missverständnissen, Verärgerung und so weiter. Das war auch mit ein Grund, warum ich mich am Ende dieser Woche so dermaßen ausgebrannt fühlte, ich schlief von Samstag auf Sonntag ganze 12 Stunden! Und jede einzelne Minute war wichtig und gut investiert!
Vom 22. Bis zum 26. Februar war dann das CORE I + Training an der selben Oertlichkeit, dieses Mal aber genau das Gegenteil, wenn man von Verpflegung und Unterkunft ausgeht: Wir schliefen mit Schlafsaecken auf dem Boden und bekamen zwei Scheiben Toast zu essen... na ja so ungefaehr... Aber rundum war es wieder richtig schoen viele interessante Programme und Elemente wurden uns vorgestellt und beigebracht.
Jetzt geht die Arbeit erst mal weiter und ich warte natuerlich schon freudig aufgeregt auf den Besuch meiner Familie - in nur 25 Tagen ist es schon so weit!!! Wusaaa
Sonntag, 27. Dezember 2009
Tod in Südafrika
Am Freitag den 18. Dezember verstarb Onkel Mpho. Noch am Vormittag hatte er mit seinem Cousin im Garten einige Häuser weiter gearbeitet und als er sich dann nach dem Mittagessen vom Stuhl erheben wollte, kippte er nach hinten weg und schlug mit dem Kopf an die Wand. Zuerst bewusstlos, dann mit Krämpfen auf dem Boden windend und dann „schlafend“ wurden Mmama und ich erst am Abend benachrichtigt, wir sollten den Onkel doch bitte nach Hause bringen.
Als ich am Ort des Geschehens ankam, ahnte ich sofort das Schlimmste. Auch wenn die alten Damen noch um ihn rum saßen, ihn befühlten und sich unentwegt zuriefen, er sei doch noch warm. Es war zu spät. Da Mmama wusste, dass man ihr nicht glauben würde, wenn sie die Wahrheit über Mphos Zustand erklärte, holte sie eine Nachbarin hinzu, ihres Zeichens Krankenschwester und ließ diese den unruhigen Anwesenden die Nachricht übermitteln. Der Schock war allen ins Gesicht geschrieben und keiner wollte es wirklich wahrhaben. Ich wurde mit Phenyo nach Hause geschickt und war somit diejenige, die es Yvonne sagen musste.
Der Abend war ziemlich schrecklich, da alle paralysiert waren, gleichzeitig aber die Dokumente und der Leichenwagen organisiert werden mussten, um den Onkel in die „moshery“ zu bringen. Alle Verwandten und Freunde wurden angerufen, Nachbarn informiert und die meisten beschuldigten uns noch eines schlechten Scherzes: Onkel Mpho – der verrückte, witzige alte Mann, der einfach immer zugegen gewesen war und schon jeden Mal zum Lachen gebracht hatte. Nun war er einfach gegangen.
Am Samstag standen alle sehr früh auf, denn es gab einiges vorzubereiten. Ich war von 9- 12 Uhr zur Arbeit im Y- Centre, da es der letzte Tag unseres Workshops war und wir unsere Abschlusssendung hatten. Anschließend ging ich direkt heim, um mit anzupacken: Die gesamte Bekleidung Mphos, alle Bettücher und Vorhänge wurde gewaschen, das Zimmer des Verstorbenen wurde bis aufs Bett und eine Kommode leer geräumt, die Zimmerwände ausgebessert und der Boden gefegt. Hier in Südafrika ist es Brauch, dass die „Hausmutter“ – hier Koko Nnoy - vom Tage des Todes bis ungefähr 2 Wochen danach auf einer Matte im Zimmer des Verstorbenen schläft, eventuell mit zwei bis drei ihrer Schwestern oder Cousinen, die über diesen Zeitraum dann dort wohnen. Den ganzen Tag und die ganze Nacht muss ein Licht den Raum erhellen, gleich ob Glühbirne oder Kerze.
Neben diesen häuslichen Vorbereitungen gab es allerdings auch einige Gäste zu bedienen, denn vom Tage des Todes an kommen jeden Tag Besucher, um mit den Hinterbliebenen zu trauern. Man kann sich jetzt darüber streiten, was trauern ist. Hier sieht das so aus, dass vom frühen Morgen bis späten Abend Männer und Frauen voneinander getrennt im Garten im Schatten sitzen, Tee trinken, Kekse essen, zu Mittag essen, zu Abend essen und sich unterhalten. Das bedeutete für mich Kekse backen, Tee kochen, die Herren bedienen, Kekse backen, abwaschen, Tee kochen, die Damen bedienen, abwaschen, Tee kochen,… Auch wenn es zum Servieren des Essens kommt, müssen immer die Herren zuerst bedient werden, dann kommen die Damen. Fragen hierüber sind überflüssig – Tradition.
Am Abend waren wir alle dann ziemlich erschöpft und ich ging früh schlafen.
Der Sonntag verlief ähnlich, ein Gastbruder und anderer Onkel strichen das Haus neu, das Zelt wurde im Vorgarten aufgestellt, die Kochstelle aufgebaut, der Rasen gemäht. Gegen 13 Uhr nach der Messe kamen dann die Kirchenmitglieder vorbei, es wurde ein kurzer Gottesdienst im Hause am Zimmer des Toten gehalten, gesungen und gebetet. Anschließend wieder Kekse angeboten und Fruchtsaft ausgeschenkt.
So ähnlich verging auch der Montag, außer, dass abends einige Freunde vorbeikamen und mich mit zu Madalas zum Braai nahmen. Das tat wirklich gut, da die Stimmung bei uns natürlich schon relativ gespannt und bedrückend war. Nur zwei Stunden draußen zu sein, laut lachen und Späße machen zu können, war sehr befreiend.
Am Dienstag nahm mich Mmama dann mit, um die Einkäufe für Mittwochnacht und Donnerstag zu unternehmen, auch weil alle meinten, ich arbeite ansonsten zu viel im Hause. So fuhren wir mit Thabo nach Rustenburg und machten Großeinkauf in einem Supermarkt, der voll mit Chinesen und anderen Shopbesitzern ist. (Denn die meisten lokalen Shops werden von Chinesen geführt. Aus irgendwelchen Gründen gehen die von Südafrikanern geleiteten Läden fast immer bankrott.) Es war rappelvoll sowie die gesamte Stadt kurz vor Weihnachten und ich kam mir mit unserem Rieseneinkaufswagen vor, wie beim Autoskooter. Als wir nachmittags zurückkamen, war erstmal ein langes, kühles Bad angesagt und dann versuchte ich etwas zu entspannen.
Mittwoch in der früh weckte ich Lucky auf, um für 7 Uhr bereit zum Aufbruch zu sein. Wir fingen ein Taxi in die Stadt (to fetch a taxi to town) und gingen dort auf Kleider-, Schuh- und Accessoires- Jagd. Trotz der frühen Stunde war es brütend heiß und wir waren mehr als erschöpft, als wir kurz nach 1 wieder daheim ankamen. In der Zwischenzeit war schon mehr Verwandtschaft aus dem Lande angerückt, denn die Nacht vor der Beerdigung gehört hier ganz essenziell mit zur Zeremonie dazu.
Um 18 Uhr war es dann soweit: Der Sarg wurde von der „moshery“ mit dem Leichenwagen zum Hause des Verstorbenen gebracht. Alle Trauergäste bildeten einen Pfad, inmitten dessen der Sarg bis zu Mphos Zimmer getragen wurde. Dort hatten sich inzwischen Koko Nnoy, die beiden Cousinen, Yvonne, Phenyo, Refilwe, Karabo und auch ich (somit ein Teil der Familie!) auf Mphos Bett zusammengefunden. Es hätte hochspirituell sein können, doch das Quietschen der Trage, das Keuchen der Männer, der immer wieder zusammenklappende Aufstellvorhang, das alles machte die Situation doch etwas skurril. Und trotzdem überkam mich ein Schauer, als ich dann an den Sarg geholt wurde und den in weiße Tücher gehüllten Mpho durch das Glas sah. Es war das erste Mal, dass ich einen Toten so gesehen habe.
Die Kleinen waren ziemlich aufgewühlt, Karabo hatte einen heftigen Weinkrampf und wir gingen mit ihnen raus, um sie zu beruhigen. Aber auch ich musste mich dann erst einmal etwas apart setzen, um Durchzuatmen und das Gesehene zu verarbeiten.
Inzwischen hatten Damen von der „society“ und andere Freunde begonnen, mehr Kekse zu backen, Karotten und Kartoffeln zu schälen, Tomaten zu reiben, Zwiebeln zu häuten, das Fleisch zu marinieren und überhaupt alle Zutaten für den kommenden Tag vor- und zuzubereiten. Den Rest der Nacht verbrachten wir draußen, die Männer mit ihren Getränken, die Frauen am Arbeiten und die Jüngeren (also meine Gastbrüder, Freunde von uns und ich) zusammensitzend. Nur gegen 3 Uhr entschied ich, mich für zwei Stunden hinzulegen. Um 5 ging ich ins Bad, zog mich um und war dann um 6 Uhr bereit für die Beerdigung.
Es gibt für solche Anlässe hier ganz bestimmte Kleidungsrichtlinien: So müssen die Männer neben Hose und Hemd auf jeden Fall ein Jackett tragen und die Frauen müssen Schultern, Knie und ihren Kopf bedecken. Die Farbauswahl der Bekleidung steht aber jedem ganz frei, es muss gar nicht schwarz sein.
Bis 7 Uhr kamen weitere Trauergäste aus ganz Luka und Umgebung dazu und unter dem Zelt im Vorgarten begann der Totengottesdienst. Es wurde wieder gesungen, gebetet, zwei Reden gehalten und die Grüße oder Wünsche der Familie an den Verstorbenen vorgelesen. Mit dem Kirchenlied „He is going home to die no more“ zog die ganze Trauergemeinde singend hinter dem Leichenwagen her bis zum Friedhof ans Grab. Die Familienmitglieder setzten sich unter das weinrote Zelt und alle anderen standen im großen Kreis um das Grab herum. Wieder wurden Worte vom Pfarrer verlesen, wir beteten und sangen und dann wurde der Sarg langsam hinabgelassen. Alle Männer, die sich dazu in der Lage fühlten, stellten sich in einer Schlange hinter das offene Grab und begannen der Reihe nach die Öffnung mit dem rotbraunen Sand zuzuschaufeln. Ob der Trockenheit staubte es unheimlich und wir mussten unsere Tücher vor Nase und Mund halten. Dann wurden Blumen und ein mit Mphos Namen versehenes Holzscheit auf das Grab gesteckt und wir traten den Rückweg an.
Die zurückgebliebenen Helferinnen hatten schon alles vorbereitet und an den beiden Eingangstüren zum Garten befanden sich mit Seife und grünen Paprikastückchen versehene Wassereimer, um sich die Hände zu reinigen. Wieder geschlechtergetrennt stellten sich die Gäste für das Totenmahl an und verteilten sich dann auf den Stühlen und anderen Sitzmöglichkeiten.
Am Nachmittag ging ich für einige Stunden mit Freunden zu Oupa nach Hause, da wir dort Platz hatten und etwas lebendiger sein konnten, doch als ich abends zurückkam, saßen immer noch viele Leute im Garten.
Ich hatte gedacht, dass es mit Donnerstag vorbei sei, doch bis heute noch haben wir täglich besuch von Verwandten, die den Tag hier verbringen und kräftig beim Resteessen helfen. Die einen sehen darin „emotionale Unterstützung“, andere nennen es glatt „Ausbeute – die sind doch froh, dass sie mal für eine Woche nicht kochen müssen und freie Mahlzeiten erhalten“. Wie auch immer, wir sind jetzt schon über eine Woche in die Beerdigungsvor- und Nachbereitungen eingebunden und eine kleine Auszeit vor Arbeitsbeginn täte hier allen gut.
Obwohl ich meinem geplatzten Urlaub in Cape Town schon nachtrauere, bin ich trotzdem davon überzeugt, dass dieses Erlebnis ganz wichtig war und mich noch mal um einiges näher an den hiesigen Kulturkreis und auch die Familie gebracht hat.
Als ich am Ort des Geschehens ankam, ahnte ich sofort das Schlimmste. Auch wenn die alten Damen noch um ihn rum saßen, ihn befühlten und sich unentwegt zuriefen, er sei doch noch warm. Es war zu spät. Da Mmama wusste, dass man ihr nicht glauben würde, wenn sie die Wahrheit über Mphos Zustand erklärte, holte sie eine Nachbarin hinzu, ihres Zeichens Krankenschwester und ließ diese den unruhigen Anwesenden die Nachricht übermitteln. Der Schock war allen ins Gesicht geschrieben und keiner wollte es wirklich wahrhaben. Ich wurde mit Phenyo nach Hause geschickt und war somit diejenige, die es Yvonne sagen musste.
Der Abend war ziemlich schrecklich, da alle paralysiert waren, gleichzeitig aber die Dokumente und der Leichenwagen organisiert werden mussten, um den Onkel in die „moshery“ zu bringen. Alle Verwandten und Freunde wurden angerufen, Nachbarn informiert und die meisten beschuldigten uns noch eines schlechten Scherzes: Onkel Mpho – der verrückte, witzige alte Mann, der einfach immer zugegen gewesen war und schon jeden Mal zum Lachen gebracht hatte. Nun war er einfach gegangen.
Am Samstag standen alle sehr früh auf, denn es gab einiges vorzubereiten. Ich war von 9- 12 Uhr zur Arbeit im Y- Centre, da es der letzte Tag unseres Workshops war und wir unsere Abschlusssendung hatten. Anschließend ging ich direkt heim, um mit anzupacken: Die gesamte Bekleidung Mphos, alle Bettücher und Vorhänge wurde gewaschen, das Zimmer des Verstorbenen wurde bis aufs Bett und eine Kommode leer geräumt, die Zimmerwände ausgebessert und der Boden gefegt. Hier in Südafrika ist es Brauch, dass die „Hausmutter“ – hier Koko Nnoy - vom Tage des Todes bis ungefähr 2 Wochen danach auf einer Matte im Zimmer des Verstorbenen schläft, eventuell mit zwei bis drei ihrer Schwestern oder Cousinen, die über diesen Zeitraum dann dort wohnen. Den ganzen Tag und die ganze Nacht muss ein Licht den Raum erhellen, gleich ob Glühbirne oder Kerze.
Neben diesen häuslichen Vorbereitungen gab es allerdings auch einige Gäste zu bedienen, denn vom Tage des Todes an kommen jeden Tag Besucher, um mit den Hinterbliebenen zu trauern. Man kann sich jetzt darüber streiten, was trauern ist. Hier sieht das so aus, dass vom frühen Morgen bis späten Abend Männer und Frauen voneinander getrennt im Garten im Schatten sitzen, Tee trinken, Kekse essen, zu Mittag essen, zu Abend essen und sich unterhalten. Das bedeutete für mich Kekse backen, Tee kochen, die Herren bedienen, Kekse backen, abwaschen, Tee kochen, die Damen bedienen, abwaschen, Tee kochen,… Auch wenn es zum Servieren des Essens kommt, müssen immer die Herren zuerst bedient werden, dann kommen die Damen. Fragen hierüber sind überflüssig – Tradition.
Am Abend waren wir alle dann ziemlich erschöpft und ich ging früh schlafen.
Der Sonntag verlief ähnlich, ein Gastbruder und anderer Onkel strichen das Haus neu, das Zelt wurde im Vorgarten aufgestellt, die Kochstelle aufgebaut, der Rasen gemäht. Gegen 13 Uhr nach der Messe kamen dann die Kirchenmitglieder vorbei, es wurde ein kurzer Gottesdienst im Hause am Zimmer des Toten gehalten, gesungen und gebetet. Anschließend wieder Kekse angeboten und Fruchtsaft ausgeschenkt.
So ähnlich verging auch der Montag, außer, dass abends einige Freunde vorbeikamen und mich mit zu Madalas zum Braai nahmen. Das tat wirklich gut, da die Stimmung bei uns natürlich schon relativ gespannt und bedrückend war. Nur zwei Stunden draußen zu sein, laut lachen und Späße machen zu können, war sehr befreiend.
Am Dienstag nahm mich Mmama dann mit, um die Einkäufe für Mittwochnacht und Donnerstag zu unternehmen, auch weil alle meinten, ich arbeite ansonsten zu viel im Hause. So fuhren wir mit Thabo nach Rustenburg und machten Großeinkauf in einem Supermarkt, der voll mit Chinesen und anderen Shopbesitzern ist. (Denn die meisten lokalen Shops werden von Chinesen geführt. Aus irgendwelchen Gründen gehen die von Südafrikanern geleiteten Läden fast immer bankrott.) Es war rappelvoll sowie die gesamte Stadt kurz vor Weihnachten und ich kam mir mit unserem Rieseneinkaufswagen vor, wie beim Autoskooter. Als wir nachmittags zurückkamen, war erstmal ein langes, kühles Bad angesagt und dann versuchte ich etwas zu entspannen.
Mittwoch in der früh weckte ich Lucky auf, um für 7 Uhr bereit zum Aufbruch zu sein. Wir fingen ein Taxi in die Stadt (to fetch a taxi to town) und gingen dort auf Kleider-, Schuh- und Accessoires- Jagd. Trotz der frühen Stunde war es brütend heiß und wir waren mehr als erschöpft, als wir kurz nach 1 wieder daheim ankamen. In der Zwischenzeit war schon mehr Verwandtschaft aus dem Lande angerückt, denn die Nacht vor der Beerdigung gehört hier ganz essenziell mit zur Zeremonie dazu.
Um 18 Uhr war es dann soweit: Der Sarg wurde von der „moshery“ mit dem Leichenwagen zum Hause des Verstorbenen gebracht. Alle Trauergäste bildeten einen Pfad, inmitten dessen der Sarg bis zu Mphos Zimmer getragen wurde. Dort hatten sich inzwischen Koko Nnoy, die beiden Cousinen, Yvonne, Phenyo, Refilwe, Karabo und auch ich (somit ein Teil der Familie!) auf Mphos Bett zusammengefunden. Es hätte hochspirituell sein können, doch das Quietschen der Trage, das Keuchen der Männer, der immer wieder zusammenklappende Aufstellvorhang, das alles machte die Situation doch etwas skurril. Und trotzdem überkam mich ein Schauer, als ich dann an den Sarg geholt wurde und den in weiße Tücher gehüllten Mpho durch das Glas sah. Es war das erste Mal, dass ich einen Toten so gesehen habe.
Die Kleinen waren ziemlich aufgewühlt, Karabo hatte einen heftigen Weinkrampf und wir gingen mit ihnen raus, um sie zu beruhigen. Aber auch ich musste mich dann erst einmal etwas apart setzen, um Durchzuatmen und das Gesehene zu verarbeiten.
Inzwischen hatten Damen von der „society“ und andere Freunde begonnen, mehr Kekse zu backen, Karotten und Kartoffeln zu schälen, Tomaten zu reiben, Zwiebeln zu häuten, das Fleisch zu marinieren und überhaupt alle Zutaten für den kommenden Tag vor- und zuzubereiten. Den Rest der Nacht verbrachten wir draußen, die Männer mit ihren Getränken, die Frauen am Arbeiten und die Jüngeren (also meine Gastbrüder, Freunde von uns und ich) zusammensitzend. Nur gegen 3 Uhr entschied ich, mich für zwei Stunden hinzulegen. Um 5 ging ich ins Bad, zog mich um und war dann um 6 Uhr bereit für die Beerdigung.
Es gibt für solche Anlässe hier ganz bestimmte Kleidungsrichtlinien: So müssen die Männer neben Hose und Hemd auf jeden Fall ein Jackett tragen und die Frauen müssen Schultern, Knie und ihren Kopf bedecken. Die Farbauswahl der Bekleidung steht aber jedem ganz frei, es muss gar nicht schwarz sein.
Bis 7 Uhr kamen weitere Trauergäste aus ganz Luka und Umgebung dazu und unter dem Zelt im Vorgarten begann der Totengottesdienst. Es wurde wieder gesungen, gebetet, zwei Reden gehalten und die Grüße oder Wünsche der Familie an den Verstorbenen vorgelesen. Mit dem Kirchenlied „He is going home to die no more“ zog die ganze Trauergemeinde singend hinter dem Leichenwagen her bis zum Friedhof ans Grab. Die Familienmitglieder setzten sich unter das weinrote Zelt und alle anderen standen im großen Kreis um das Grab herum. Wieder wurden Worte vom Pfarrer verlesen, wir beteten und sangen und dann wurde der Sarg langsam hinabgelassen. Alle Männer, die sich dazu in der Lage fühlten, stellten sich in einer Schlange hinter das offene Grab und begannen der Reihe nach die Öffnung mit dem rotbraunen Sand zuzuschaufeln. Ob der Trockenheit staubte es unheimlich und wir mussten unsere Tücher vor Nase und Mund halten. Dann wurden Blumen und ein mit Mphos Namen versehenes Holzscheit auf das Grab gesteckt und wir traten den Rückweg an.
Die zurückgebliebenen Helferinnen hatten schon alles vorbereitet und an den beiden Eingangstüren zum Garten befanden sich mit Seife und grünen Paprikastückchen versehene Wassereimer, um sich die Hände zu reinigen. Wieder geschlechtergetrennt stellten sich die Gäste für das Totenmahl an und verteilten sich dann auf den Stühlen und anderen Sitzmöglichkeiten.
Am Nachmittag ging ich für einige Stunden mit Freunden zu Oupa nach Hause, da wir dort Platz hatten und etwas lebendiger sein konnten, doch als ich abends zurückkam, saßen immer noch viele Leute im Garten.
Ich hatte gedacht, dass es mit Donnerstag vorbei sei, doch bis heute noch haben wir täglich besuch von Verwandten, die den Tag hier verbringen und kräftig beim Resteessen helfen. Die einen sehen darin „emotionale Unterstützung“, andere nennen es glatt „Ausbeute – die sind doch froh, dass sie mal für eine Woche nicht kochen müssen und freie Mahlzeiten erhalten“. Wie auch immer, wir sind jetzt schon über eine Woche in die Beerdigungsvor- und Nachbereitungen eingebunden und eine kleine Auszeit vor Arbeitsbeginn täte hier allen gut.
Obwohl ich meinem geplatzten Urlaub in Cape Town schon nachtrauere, bin ich trotzdem davon überzeugt, dass dieses Erlebnis ganz wichtig war und mich noch mal um einiges näher an den hiesigen Kulturkreis und auch die Familie gebracht hat.
Mittwoch, 11. November 2009
Kaum zu glauben...
Während mich in den ersten Wochen das Erlernen der hiesigen Sprache, grundlegende Verhaltensweisen und fundamentale kulturelle Gegebenheiten beschäftigten, lerne ich in den letzten Wochen sehr viel über den afrikanischen (Aber?-) Glauben dazu.
Meine erste Begegnung mit diesem Glauben war vor rund 2 Wochen, als ein ziemlich heftiges Unwetter über Luka und Umgebung wütete. Wir verbrachten die Nacht fast in kompletter Dunkelheit und nur der Schimmer einer Kerze erhellte das Wohnzimmer etwas. Im Gespräch wurde mir dann die folgende Geschichte erzählt: „Vor einigen Jahren untersuchten Forscher einen nahegelegenen See bei Kanana und fanden dort eine seltsame Schlangenart. Um diese Sorte weiter zu analysieren nahmen sie eine der Exemplare mit ins Labor. Unwissend hatten sie allerdings eines der Schlangenkinder gegriffen und als die Schlangenmutter dessen bewusst wurde, machte sie sich auf die Suche nach ihrem verlorenen Sohn. Ein schweres Unwetter kam über die Region und in den Wolken konnte man das Abbild einer gewaltigen Schlange sehen. Die Schlange konnte ihr Kind natürlich nicht finden und seitdem macht sie sich immer wieder auf die Suche - so auch am Freitag vor 2 Wochen.
Hört sich nach Kindermärchen an? Daran dachte ich zunächst auch, doch den Menschen hier ist es zutiefst ernst damit.
Letzten Samstag klingelte um halb5 Uhr morgens mein Handy, doch verschlafen wie ich war, antwortete ich nicht und sah erst beim Aufwachen, dass mich mein jüngerer Gastbruder versucht hatte anzurufen. Als ich ihn auf die Uhrzeit ansprach, verzog er sein Gesicht. „Du weißt nicht, was mir passiert ist… Es war noch dunkel und ich kam von der Party zurück und lief unsere Straße entlang. Aus irgendeinem Grund verspürte ich das Verlangen mich umzudrehen. Da lief eine alte Frau in weißem Nachthemd hinter mir her. Mein Herz stolperte und beinahe wäre ich hingefallen. Modimo, eine Hexe! Zum Glück schaute sie nicht nach mir, denn… du musst wissen… schaue einer Hexe niemals in die Augen, das könnte das Ende bedeuten! Ich huschte also schnell in unseren Vorgarten und versteckte mich hinter dem Haus am Fenster zu deinem Zimmer – deshalb der Anruf.“
Ich schaute Lucky kopfschüttelnd an und erwiderte, ich glaube ihm seine Geschichtchen nicht mehr – denn er hat seinen Spaß daran mir allerhand Unfug zu erzählen und während ich ihm in den ersten Wochen noch alles abnahm, bin ich da inzwischen doch sehr vorsichtig geworden. „No, seriaaaas, I am very, very, very seriaaas.“ Hahaha „No, Sophie! Mapula! really!” „Lucky, how can I ever believe you again!?“ „Ahhh okay, ask Yvonne, ask her, if there exist witches.” “Okay, I’ll do that.”
Und ich tat es. Ungläubigen Blickes trat ich an Yvonne und fragte sie nach der Existenz von sogenannten Hexen. „Natürlich gibt es die! Oh, da musst du aufpassen, die können ganz fiese Sachen mit dir anstellen! An meiner Uni damals in Pretoria…“ Und sie erzählte mir die wildesten Geschichten über Hexenstudenten und Zauberei.
Ich gestand Yvonne meine Zweifel und erklärte ihr auch, dass ich solche Geschichten aus Deutschland eigentlich nicht kenne. Wir mutmaßten, dass das mit großer Wahrscheinlichkeit mit der unterschiedlichen Herangehensweise an Dinge zu tun hat. So werden Unwetter, Krankheit, Probleme und so weiter in Afrika oft „zauberhaft“ erklärt, während wir da in Deutschland (und weitgehend in europäischen Gefilden) doch eher zu wissenschaftlichen Erklärungen tendieren.
Passend dazu besuchte ich dann mit Yvonne am Freitag einen Sangoma – traditional healer. Sie wollte mich nach unseren Gesprächen endlich mal persönlich mit einem der sagenumwobenen Sangomas bekannt machen. Wir fuhren also in ein Nachbardorf, wo sich etwas abseits das Häuschen und die kleine Viehzucht des Heilers befinden. Der Alte war nicht zugegen, so übernahm sein Sohn (oft treten die Kinder der Sangomas in ihrer Eltern Fußstapfen) die Sitzung.
Einer uralten Tradition entsprechend arbeiten die meisten Sangomas dieser Region mit der „ditaola“ – ich hatte diese schon im Museum über den Stamm der >Bakgata< gesichtigt. Die „ditaola“ ist eine Sammlung von verschiedenen Steinen, Muscheln und Dominosteinen, die zusammen in einen Fellsack (ich konnte das ehemalige Tier leider nicht mehr erkennen) gegeben werden. Dann hält der Sangoma das Ende zu, damit kein Objekt herausfallen kann, spricht den Namen der zu untersuchenden Person und klopft den Sack einige Male auf den Boden. - Später wurde mir erklärt, dass er dadurch Kontakt zu seinen Ahnen und denen des „Patienten“ aufnimmt. – Anschließend wird der gesamte Inhalt auf einem Teppich ausgeschüttet und dann beginnt das „ditaola lesen“. Der Heiler sprach für bestimmt eine halbe Stunde und Yvonne machte nur „mhh“ oder „mhh-mhh“. – Sie muss seine Aussagen nämlich immer bestätigen oder aber negieren. – Dann stand er auf und begab sich an das vollgestellte Regal mit allen möglichen Flüssigkeiten, Wurzeln, gemahlten Substanzen und bereitete eine Mixtur für Yvonne, mit der sie sich waschen solle, ein sogenannter „Muthi“.
„Muthi“ sind Zaubertränke, die man sich beim Sangoma zubereiten lassen kann. Es gibt Muthis für alle Lebenslagen und Bedürfnisse. Von „bring-deine-alte-Liebe-zurück“, „mach-deinen-Chef-krank“ und „Viagramuthi“ zu „schütz-dich-vor-bösen-Menschen“ und „lass-den-geldgierigen-Verwandten-ersticken“. Besonders an Familienfesten müsse man ganz besonders achtsam sein, da die meisten Muthis bei solchen Gelegenheiten zur Nutzung kämen. Schon einige Bekannte seien nach einer Hochzeitsfeier oder Beerdigung misteriöserweise ums Leben gekommen. Du lebst gefährlich in Südafrika!
Meine erste Begegnung mit diesem Glauben war vor rund 2 Wochen, als ein ziemlich heftiges Unwetter über Luka und Umgebung wütete. Wir verbrachten die Nacht fast in kompletter Dunkelheit und nur der Schimmer einer Kerze erhellte das Wohnzimmer etwas. Im Gespräch wurde mir dann die folgende Geschichte erzählt: „Vor einigen Jahren untersuchten Forscher einen nahegelegenen See bei Kanana und fanden dort eine seltsame Schlangenart. Um diese Sorte weiter zu analysieren nahmen sie eine der Exemplare mit ins Labor. Unwissend hatten sie allerdings eines der Schlangenkinder gegriffen und als die Schlangenmutter dessen bewusst wurde, machte sie sich auf die Suche nach ihrem verlorenen Sohn. Ein schweres Unwetter kam über die Region und in den Wolken konnte man das Abbild einer gewaltigen Schlange sehen. Die Schlange konnte ihr Kind natürlich nicht finden und seitdem macht sie sich immer wieder auf die Suche - so auch am Freitag vor 2 Wochen.
Hört sich nach Kindermärchen an? Daran dachte ich zunächst auch, doch den Menschen hier ist es zutiefst ernst damit.
Letzten Samstag klingelte um halb5 Uhr morgens mein Handy, doch verschlafen wie ich war, antwortete ich nicht und sah erst beim Aufwachen, dass mich mein jüngerer Gastbruder versucht hatte anzurufen. Als ich ihn auf die Uhrzeit ansprach, verzog er sein Gesicht. „Du weißt nicht, was mir passiert ist… Es war noch dunkel und ich kam von der Party zurück und lief unsere Straße entlang. Aus irgendeinem Grund verspürte ich das Verlangen mich umzudrehen. Da lief eine alte Frau in weißem Nachthemd hinter mir her. Mein Herz stolperte und beinahe wäre ich hingefallen. Modimo, eine Hexe! Zum Glück schaute sie nicht nach mir, denn… du musst wissen… schaue einer Hexe niemals in die Augen, das könnte das Ende bedeuten! Ich huschte also schnell in unseren Vorgarten und versteckte mich hinter dem Haus am Fenster zu deinem Zimmer – deshalb der Anruf.“
Ich schaute Lucky kopfschüttelnd an und erwiderte, ich glaube ihm seine Geschichtchen nicht mehr – denn er hat seinen Spaß daran mir allerhand Unfug zu erzählen und während ich ihm in den ersten Wochen noch alles abnahm, bin ich da inzwischen doch sehr vorsichtig geworden. „No, seriaaaas, I am very, very, very seriaaas.“ Hahaha „No, Sophie! Mapula! really!” „Lucky, how can I ever believe you again!?“ „Ahhh okay, ask Yvonne, ask her, if there exist witches.” “Okay, I’ll do that.”
Und ich tat es. Ungläubigen Blickes trat ich an Yvonne und fragte sie nach der Existenz von sogenannten Hexen. „Natürlich gibt es die! Oh, da musst du aufpassen, die können ganz fiese Sachen mit dir anstellen! An meiner Uni damals in Pretoria…“ Und sie erzählte mir die wildesten Geschichten über Hexenstudenten und Zauberei.
Ich gestand Yvonne meine Zweifel und erklärte ihr auch, dass ich solche Geschichten aus Deutschland eigentlich nicht kenne. Wir mutmaßten, dass das mit großer Wahrscheinlichkeit mit der unterschiedlichen Herangehensweise an Dinge zu tun hat. So werden Unwetter, Krankheit, Probleme und so weiter in Afrika oft „zauberhaft“ erklärt, während wir da in Deutschland (und weitgehend in europäischen Gefilden) doch eher zu wissenschaftlichen Erklärungen tendieren.
Passend dazu besuchte ich dann mit Yvonne am Freitag einen Sangoma – traditional healer. Sie wollte mich nach unseren Gesprächen endlich mal persönlich mit einem der sagenumwobenen Sangomas bekannt machen. Wir fuhren also in ein Nachbardorf, wo sich etwas abseits das Häuschen und die kleine Viehzucht des Heilers befinden. Der Alte war nicht zugegen, so übernahm sein Sohn (oft treten die Kinder der Sangomas in ihrer Eltern Fußstapfen) die Sitzung.
Einer uralten Tradition entsprechend arbeiten die meisten Sangomas dieser Region mit der „ditaola“ – ich hatte diese schon im Museum über den Stamm der >Bakgata< gesichtigt. Die „ditaola“ ist eine Sammlung von verschiedenen Steinen, Muscheln und Dominosteinen, die zusammen in einen Fellsack (ich konnte das ehemalige Tier leider nicht mehr erkennen) gegeben werden. Dann hält der Sangoma das Ende zu, damit kein Objekt herausfallen kann, spricht den Namen der zu untersuchenden Person und klopft den Sack einige Male auf den Boden. - Später wurde mir erklärt, dass er dadurch Kontakt zu seinen Ahnen und denen des „Patienten“ aufnimmt. – Anschließend wird der gesamte Inhalt auf einem Teppich ausgeschüttet und dann beginnt das „ditaola lesen“. Der Heiler sprach für bestimmt eine halbe Stunde und Yvonne machte nur „mhh“ oder „mhh-mhh“. – Sie muss seine Aussagen nämlich immer bestätigen oder aber negieren. – Dann stand er auf und begab sich an das vollgestellte Regal mit allen möglichen Flüssigkeiten, Wurzeln, gemahlten Substanzen und bereitete eine Mixtur für Yvonne, mit der sie sich waschen solle, ein sogenannter „Muthi“.
„Muthi“ sind Zaubertränke, die man sich beim Sangoma zubereiten lassen kann. Es gibt Muthis für alle Lebenslagen und Bedürfnisse. Von „bring-deine-alte-Liebe-zurück“, „mach-deinen-Chef-krank“ und „Viagramuthi“ zu „schütz-dich-vor-bösen-Menschen“ und „lass-den-geldgierigen-Verwandten-ersticken“. Besonders an Familienfesten müsse man ganz besonders achtsam sein, da die meisten Muthis bei solchen Gelegenheiten zur Nutzung kämen. Schon einige Bekannte seien nach einer Hochzeitsfeier oder Beerdigung misteriöserweise ums Leben gekommen. Du lebst gefährlich in Südafrika!
Samstag, 3. Oktober 2009
Dorfleben
Was genau bedeutet das eigentlich? In einem Dorf leben? Genauer gesagt, in einem südafrikanischen Dorf? In einem Dorf der North- West- Province, Bojanala Region, Royal Bafokeng Nation nahe Rustenburg? Ist jetzt grad nicht so präsent? Da kann ich auf die Sprünge helfen!
Fangen wir doch einfach bei den Dingen des Alltags an: Küche, Klo, Kaufen.
Küche. Dazu bin ich ja schon in meinem Essensbeitrag einiges losgeworden, aber damit ihr euch die Kochumstände etwas besser vorstellen könnt, hier noch mal einige Worte dazu. Die Küche ist nicht gleichzusetzen mit der Kochstelle. Erstere befindet sich nämlich im Wohnhaus, während Letztere in einem extra Anbau wenige Meter gegenüber liegt. Das bedeutet, dass wir mit den Töpfen, Löffeln, Zutaten und Streichhölzern in einem fort zwischen Küche und Kochstelle hin- und herpendeln und jegliches Nachsalzen zu verhindern suchen. (Ich weiß schon, jeder GanK macht schlanK, aber beim Kochen ist das ewige Rumgerenne manchmal ganz schön nervig!)
Aufmerksame Leser haben natürlich schon den Streichhölzer- Wink verstanden, wir kochen mit Gas, denn das ist Strom sparend. – Sogar im Fernsehen erscheint abendlich die Anzeige der Regierung, man möge doch bitte sparsam mit der Elektrizität umgehen, nicht im Gebrauch seiende elektronische Geräte sowie unnötige Lichter ausschalten. Doch auch wenn wir des Stroms wegen mit Gas kochen, läuft Mamas Radio den ganzen Tag und wir genießen jeden Abend Festtagsbeleuchtung. Paradoxe Mentalität. – Unser Gas kommt allerdings nicht direkt aus der Leitung, sondern wird in Gas- Containern gekauft und an den Herd angeschlossen. Zum Thema Strom und Elektrizität scheint mir noch interessant, dass man diese nicht monatlich per Rechnung bezahlt, sondern in Raten beispielsweise im Post Office erwerben kann. Es heißt dann: Ich muss mal eben etwas Elektrizität kaufen gehen.
Wo ich nun schon das Post Office erwähnt habe, gestatte ich mir noch einen kurzen Exkurs passend dazu. Das Haus in dem ich lebe befindet sich laut Adresse in keiner Straße, denn meine Anschrift besteht aus Name und Zuname, Dorf, Sektion (etwa Viertel), Hausnummer und PO Box. Gerade Letztere ist interessant, denn anstatt eines Briefkastens haben wir nur die PO Box, in der Briefe, Werbung und Päckchen gesammelt werden. Einmal die Woche geht dann meistens einer von uns am Post Office vorbei, um alles einzusammeln.
Klo. Ähnlich wie um die Küchensituation, steht’s auch um Tante Berta, Herzenhausen, Marmorstadt, Dongstation oder welche anderen euphemistischen Spitznamen noch dazu erfunden wurden. Bad ist nicht gleich Toilette, was bedeutet, dass ich mich drinnen im Bad wasche, den ureigensten Trieben jedoch draußen nachgehe. Nein, nicht draußen im Gebüsch. Wir haben im hinteren Teil des Gartens ein kleines Wellblechgebilde, in dem sich zwei getrennte Toilettenräume befinden. Anfangs vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber sobald akzeptiert, hat es doch auch einige Vorteile so an der frischen Luft . Hinzufügen möchte ich außerdem, dass die Toilettenqualität in unserem Hause (bzw. Garten) ziemlich hoch ist, da wir die normale Keramikvorrichtung mit Brille etc. haben – als ich mich vor 2 Wochen bei einer Bekannten umsah, war die Toilette einfach nur ein Loch in einem Steinquader. Natürlich gibt es aber auch hier hausinterne Toiletten, die von mir beschriebene Variante ist allerdings die Normalität.
Kaufen oder Wie was wo zu erhalten ist. Es gibt in diesen „rural areas“ nämlich hauptsächlich folgende drei verschiedene Einkaufsmöglichkeiten:
Erstens den „tack shop“ – Meist ein kleines Wellblechhäuschen im Vorgarten zur Straße raus, in dem man meistens Airtime (Handyguthaben), Koldrinki und Sweets, manchmal auch noch Borotho, Namune (Orangen) und Tamati kaufen kann.
Zweitens den „shopong“ – Ein mehr oder weniger großer Laden mit den wichtigsten Dingen wie Brot, Milch, Obst und Gemüse, Kaffee, Tee, Klopapier, Reis, Maismehl, Dosenware, Zeitung, … Einige dieser „shopongs“ werden von Chinesen betrieben, wie auch immer die hier gelandet sein mögen. Wichtiger Dreh- und Angelpunkt in Luka ist >Bobos Shop<, in dem man die breiteste Auswahl an Speis und Trank, außerdem ein kleines Internet- Café und eine Spielhalle hat. Die lukanische Jugend (wenn auch hauptsächlich die Jungen) treffen sich hier gerne abends um zu Kickern und Abzuhängen.
Drittens der „Butcher“ – Oft in Verbindung mit einer Taverne und Braaistelle. Zum Butcher gehen wir dann, wenn wir Rindfleisch brauchen oder gegrillt werden soll. Da es hier keinen „Liquor Store“ gibt, wird auch das Bier meist beim Butcher, bzw. in der Taverne gekauft.
Alles Weitere wie Supermarkt und Bekleidungsgeschäfte gibt es dann erst wieder in Rustenburg, etwa 30 Minuten mit dem „Taxi“ von Luka aus entfernt.
Fangen wir doch einfach bei den Dingen des Alltags an: Küche, Klo, Kaufen.
Küche. Dazu bin ich ja schon in meinem Essensbeitrag einiges losgeworden, aber damit ihr euch die Kochumstände etwas besser vorstellen könnt, hier noch mal einige Worte dazu. Die Küche ist nicht gleichzusetzen mit der Kochstelle. Erstere befindet sich nämlich im Wohnhaus, während Letztere in einem extra Anbau wenige Meter gegenüber liegt. Das bedeutet, dass wir mit den Töpfen, Löffeln, Zutaten und Streichhölzern in einem fort zwischen Küche und Kochstelle hin- und herpendeln und jegliches Nachsalzen zu verhindern suchen. (Ich weiß schon, jeder GanK macht schlanK, aber beim Kochen ist das ewige Rumgerenne manchmal ganz schön nervig!)
Aufmerksame Leser haben natürlich schon den Streichhölzer- Wink verstanden, wir kochen mit Gas, denn das ist Strom sparend. – Sogar im Fernsehen erscheint abendlich die Anzeige der Regierung, man möge doch bitte sparsam mit der Elektrizität umgehen, nicht im Gebrauch seiende elektronische Geräte sowie unnötige Lichter ausschalten. Doch auch wenn wir des Stroms wegen mit Gas kochen, läuft Mamas Radio den ganzen Tag und wir genießen jeden Abend Festtagsbeleuchtung. Paradoxe Mentalität. – Unser Gas kommt allerdings nicht direkt aus der Leitung, sondern wird in Gas- Containern gekauft und an den Herd angeschlossen. Zum Thema Strom und Elektrizität scheint mir noch interessant, dass man diese nicht monatlich per Rechnung bezahlt, sondern in Raten beispielsweise im Post Office erwerben kann. Es heißt dann: Ich muss mal eben etwas Elektrizität kaufen gehen.
Wo ich nun schon das Post Office erwähnt habe, gestatte ich mir noch einen kurzen Exkurs passend dazu. Das Haus in dem ich lebe befindet sich laut Adresse in keiner Straße, denn meine Anschrift besteht aus Name und Zuname, Dorf, Sektion (etwa Viertel), Hausnummer und PO Box. Gerade Letztere ist interessant, denn anstatt eines Briefkastens haben wir nur die PO Box, in der Briefe, Werbung und Päckchen gesammelt werden. Einmal die Woche geht dann meistens einer von uns am Post Office vorbei, um alles einzusammeln.
Klo. Ähnlich wie um die Küchensituation, steht’s auch um Tante Berta, Herzenhausen, Marmorstadt, Dongstation oder welche anderen euphemistischen Spitznamen noch dazu erfunden wurden. Bad ist nicht gleich Toilette, was bedeutet, dass ich mich drinnen im Bad wasche, den ureigensten Trieben jedoch draußen nachgehe. Nein, nicht draußen im Gebüsch. Wir haben im hinteren Teil des Gartens ein kleines Wellblechgebilde, in dem sich zwei getrennte Toilettenräume befinden. Anfangs vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber sobald akzeptiert, hat es doch auch einige Vorteile so an der frischen Luft . Hinzufügen möchte ich außerdem, dass die Toilettenqualität in unserem Hause (bzw. Garten) ziemlich hoch ist, da wir die normale Keramikvorrichtung mit Brille etc. haben – als ich mich vor 2 Wochen bei einer Bekannten umsah, war die Toilette einfach nur ein Loch in einem Steinquader. Natürlich gibt es aber auch hier hausinterne Toiletten, die von mir beschriebene Variante ist allerdings die Normalität.
Kaufen oder Wie was wo zu erhalten ist. Es gibt in diesen „rural areas“ nämlich hauptsächlich folgende drei verschiedene Einkaufsmöglichkeiten:
Erstens den „tack shop“ – Meist ein kleines Wellblechhäuschen im Vorgarten zur Straße raus, in dem man meistens Airtime (Handyguthaben), Koldrinki und Sweets, manchmal auch noch Borotho, Namune (Orangen) und Tamati kaufen kann.
Zweitens den „shopong“ – Ein mehr oder weniger großer Laden mit den wichtigsten Dingen wie Brot, Milch, Obst und Gemüse, Kaffee, Tee, Klopapier, Reis, Maismehl, Dosenware, Zeitung, … Einige dieser „shopongs“ werden von Chinesen betrieben, wie auch immer die hier gelandet sein mögen. Wichtiger Dreh- und Angelpunkt in Luka ist >Bobos Shop<, in dem man die breiteste Auswahl an Speis und Trank, außerdem ein kleines Internet- Café und eine Spielhalle hat. Die lukanische Jugend (wenn auch hauptsächlich die Jungen) treffen sich hier gerne abends um zu Kickern und Abzuhängen.
Drittens der „Butcher“ – Oft in Verbindung mit einer Taverne und Braaistelle. Zum Butcher gehen wir dann, wenn wir Rindfleisch brauchen oder gegrillt werden soll. Da es hier keinen „Liquor Store“ gibt, wird auch das Bier meist beim Butcher, bzw. in der Taverne gekauft.
Alles Weitere wie Supermarkt und Bekleidungsgeschäfte gibt es dann erst wieder in Rustenburg, etwa 30 Minuten mit dem „Taxi“ von Luka aus entfernt.
Dienstag, 22. September 2009
Wasser
Ich weiß nicht, wer sich noch an die Proteste letztes Jahr am >Tag des Wassers< (oder etwas in der Art) erinnert, an dem Menschen in Afrika und Asien auf die Barrikaden gingen und protestierten, jeder Mensch auf der Welt hätte das Recht auf freien Zugang zu frischem Wasser. Bislang konnte ich mir die Situation derer zwar vorstellen, aber wirklich erlebt habe ich sie noch nicht. Das hat sich seit meiner Ankunft in Südafrika allerdings gewandelt.
Es war Sonntag, wir hatten eben zu Mittag gegessen und Lucky und ich standen in der Küche, um das Geschirr zu waschen. Ich drehte den Warmwasserhahn auf. Niks. Ke ga metsi a bollo. Ich drehte den Kaltwasserhahn auf. Niks. Ke ga metsi a maruru. Fragend blickte ich zu Lucky. Lucky blickte gequält zu mir. –O nein, sie haben das Wasser abgestellt. –Wer SIE?
–Mhh, oder die Leitung ist irgendwo durchgebrochen. –Wo? –Das kann einen Tag oder eine Woche, sogar einen Monat dauern, bis sie das Problem wieder behoben haben. –Einen Monat? You are kidding! –Nee du.
So mussten wir eine Schubkarre rüber zum Onkel schieben, unseren blauen Kanister mit Wasser aus einem Bodenspeicher pumpen und diesen zurück nach Hause hieven. Dazu sei gesagt, wir sind 11 Leute im Haushalt, wir essen Bogobe (Maismehl in Wasser angerührt), wir trinken Tee (bekanntermaßen ein Teebeutel im heißen Wasser) und wir waschen uns. Meine Haare erwiesen sich hier natürlich als äußerst unpraktisch, da sie viel Wasser zum waschen brauchen und zudem das auch noch alle 3 Tage!
An diesem Sonntag betete ich inniglichst, das Wasser möge so schnell wie möglich wieder in unseren Leitungen fließen. Bitte, bitte keine Woche, keinen Monat mit in der Schubkarre zu schiebendem Pumpwasser vom Onkel im blauen Kanister! Bitte nicht!
Glücklicherweise sollte meine Bitte erhört werden, denn als wir am nächsten Tag aus der Schule zurück ins Office gingen, sah ich ein Kind Wasser aus dem Gartenschlauch trinken.
–Hei! Hei! Bona! (Schaut!) Wenn der Junge da Wasser aus dem Hahn trinkt… müsste dann nicht auch bei mir zuhause... –Ja. Strimmt. –Juppie!!! Wer tanzt mit mir den Wassertanz? Ich kann euch gar nicht sagen wie glücklich ich bin!
Und so hüpfte ich die letzten Meter zum Office Freudensprünge. Wasser! Einfach göttlich!
Es war Sonntag, wir hatten eben zu Mittag gegessen und Lucky und ich standen in der Küche, um das Geschirr zu waschen. Ich drehte den Warmwasserhahn auf. Niks. Ke ga metsi a bollo. Ich drehte den Kaltwasserhahn auf. Niks. Ke ga metsi a maruru. Fragend blickte ich zu Lucky. Lucky blickte gequält zu mir. –O nein, sie haben das Wasser abgestellt. –Wer SIE?
–Mhh, oder die Leitung ist irgendwo durchgebrochen. –Wo? –Das kann einen Tag oder eine Woche, sogar einen Monat dauern, bis sie das Problem wieder behoben haben. –Einen Monat? You are kidding! –Nee du.
So mussten wir eine Schubkarre rüber zum Onkel schieben, unseren blauen Kanister mit Wasser aus einem Bodenspeicher pumpen und diesen zurück nach Hause hieven. Dazu sei gesagt, wir sind 11 Leute im Haushalt, wir essen Bogobe (Maismehl in Wasser angerührt), wir trinken Tee (bekanntermaßen ein Teebeutel im heißen Wasser) und wir waschen uns. Meine Haare erwiesen sich hier natürlich als äußerst unpraktisch, da sie viel Wasser zum waschen brauchen und zudem das auch noch alle 3 Tage!
An diesem Sonntag betete ich inniglichst, das Wasser möge so schnell wie möglich wieder in unseren Leitungen fließen. Bitte, bitte keine Woche, keinen Monat mit in der Schubkarre zu schiebendem Pumpwasser vom Onkel im blauen Kanister! Bitte nicht!
Glücklicherweise sollte meine Bitte erhört werden, denn als wir am nächsten Tag aus der Schule zurück ins Office gingen, sah ich ein Kind Wasser aus dem Gartenschlauch trinken.
–Hei! Hei! Bona! (Schaut!) Wenn der Junge da Wasser aus dem Hahn trinkt… müsste dann nicht auch bei mir zuhause... –Ja. Strimmt. –Juppie!!! Wer tanzt mit mir den Wassertanz? Ich kann euch gar nicht sagen wie glücklich ich bin!
Und so hüpfte ich die letzten Meter zum Office Freudensprünge. Wasser! Einfach göttlich!
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